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Sony PS, XBox, Wii  Sind die Spielekonsolen am Ende?

Mit großer Spannung haben viele Spielefreaks auf die Vorstellung der neuen Playstation 4 gewartet. Sony gab jetzt erste Details über die PS4 bekannt, die aber erst Weihnachten auf den Markt kommt. Wer braucht heute - mit Smartphones und Tablets - noch Spielekonsolen?

Gespräch mit SWR Multimedia-Experte Andreas Reinhardt

Kinder vor einer Wii-Spielekonsole der Firma Nintendo

Spielekonsolen waren bisher für alle Altersklassen interessant

Wer braucht noch Spielekonsolen? Zockt nicht jetzt schon jeder auf dem Smartphone oder Tablet?

Das ist konkret das Problem: der Spielemarkt ist im Umbruch. Als die PS3 und die XBOX 360 auf den Markt kamen, vor sechs, sieben Jahren, gab es noch keine Smartphones oder Tablets, auf denen man spielen konnte. Der PC war der einzige Konkurrent, und den konnten die Konsolen locker abhängen. Heute sind nur noch wenige bereit, 50 Euro und mehr für ein Konsolenspiel auszugeben, wenn es dagegen für eine Handvoll Euro Spielespaß auf dem Tablet gibt. Konsolen werden es künftig immer schwerer haben. Die erste Konsole der neuen Generation, Nintendos WiiU, ist seit Dezember auf dem Markt, bleibt deutlich hinter den Erwartungen.

Sony hat die PS4 vorgestellt. Was wird sie können, wann kommt sie und was wird sie kosten?

Das waren die drängendsten Fragen, aber dazu hat Sony nicht wirklich viel gesagt. Die Konsole selbst war gar nicht zu sehen. Nur ein Controller, aber auch der war jetzt nicht der Hammer. Es hieß, Social Media Funktionen seien integriert, und es gab ein paar technische Daten, die lesen sich nicht schlecht. Aber in wenigen Jahren haben die Tablets den Vorsprung aufgeholt.

Die PS4 soll zu Weihnachten kommen, ob auch dann schon in Europa ist unklar. Auch zum Preis sagte Sony nichts. Früher haben die teuren Spiele den vergleichsweise niedrigen Preis der Konsole subventioniert. Dieses Geschäftsmodell wird künftig so nicht mehr funktionieren.

Das was vorgestellt wurde, war ja nichts Konkretes, nur ein Controller. Warum macht Sony das?

Sony wollte die Spieler anfixen und vor allem vor dem Mitbewerber Microsoft an die Öffentlichkeit gehen. Viele Spieler kaufen natürlich nur eine Konsole. Wer da zuerst kommt, hat die Aufmerksamkeit. Und Microsoft will auch zum Weihnachtsgeschäft die neue XBOX 720 bringen.

Sony hat als Unternehmen große Probleme und ist in Japan durch den Tsunami und die Erdbeben gebeutelt. Probleme gibt es zudem bei den Flachbildfernsehern. Da ist die Playstation eine große Hoffnung, ein Stück weit aus der Krise zu kommen. Ob das damit gelingt, ist allerdings eher fraglich.

Wie dringend braucht der Konzern den Erfolg?

Sehr dringend, denn Sony geht es nicht gut - zwar schon wieder etwas besser, aber insgesamt nicht gut, und das seit Jahren. Im dritten Quartal in Folge machte Sony 87 Millionen Euro Verlust. Wobei man kurioserweise sagen muss 'nur', denn die Jahresbilanz im April vergangenen Jahres war echt düster: 4,9 Milliarden Euro Minus, so tief steckte Sony noch nie in der Krise. Es war das vierte Geschäftsjahr in Folge in den roten Zahlen. Als Konsequenz sollen 10 000 der 170 000 Stellen gestrichen werden.

Das heißt, die Playstation 4 ist der letzte Strohhalm für Sony?

Ein sehr dünner und brüchiger Strohhalm. Bei Sony ist durch die Bank der Wurm drin. Nehmen wir das Fernsehgeschäft: Mit Flachbildgeräten ist heute kein Geld mehr zu verdienen. Alle Hersteller stecken gleichermaßen in der Krise - auch Sharp oder Panasonic.

Die Südkoreaner Samsung machen vor, wie es geht: da subventioniert die starke Handysparte das TV-Geschäft, so kann Samsung seine Geräte billiger auf den Markt bringen. Dann der starke Yen, der die japanischen Produkte verteuert, und es fehlt an Innovationen. Sony ist die Marke der Generation, die mit Walkman aufgewachsen ist. Sony war mal das, was heute Apple für die junge Generation ist. "It's a Sony" lockt heute keine Begeisterungsstürme mehr hervor.

Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Soziales; Online: Heidi Keller

Letzte Änderung am: 25.02.2013, 10.26 Uhr