Spendenorganisationen

"Schwarze Schafe gibt es viele"

Autor: Erwin Kohla; Online-Redaktion: Peter Mühlfeit

Die Bundesbürger spenden gerne: Rund vier Milliarden Euro im Jahr. Am liebsten in der Weihnachtszeit. Das wissen auch die Spendenorganisationen. Wie behält man in der Flut der Aufrufe den Überblick?

In Deutschland sind rund 500.000 Vereine und Stiftungen als gemeinnützig anerkannt. Ob Dürre in Ostafrika, Minenopfer in Afghanistan, Artenschutz oder krebskranke Kinder - es gibt fast nichts, wofür man nicht spenden kann.

Doch nicht immer kommt die Hilfe wirklich bei den Bedürftigen an. "Schwarze Schafe gibt es viele", meint Stefan Loipfinger aus dem bayrischen Rosenheim, der mit seiner Organisation CharityWatch jahrelang die Aktivitäten der Spendensammler beobachtet hat: "Es sind auch einige prominente Namen darunter."

Auf seiner Website listete er Gründe auf, weshalb er bestimmte Organisationen nicht unterstützen würde. Doch Loipfinger war auch großem Druck ausgesetzt. Seine Analysen hat er auf massiven persönlichen und juristischen Druck hin eingestellt: Zu belastend für seine Familie, zu teuer für seinen Einmannbetrieb.

Spendenaufsicht in Rheinland-Pfalz

Anders sieht es da bei Sven Brauers in Trier aus. Dort ist die einzige Aufsichtsbehörde für Spendenorganisationen in Deutschland, kurz ADD, untergebracht. Er veröffentlicht eine Negativliste, die unseriöse Sammler aufzeigt.

Aber sie gilt nur für Rheinland Pfalz: "Es kann sein, dass wir wegen eines Sammlungsverbots Spendenbüchsen hier einziehen, die aber in anderen Bundesländern weiter aufgestellt werden", sagt Brauers.

Seriosität ist keine Frage der Größe

Das deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen DZI vergibt ein so genanntes Spendensiegel für seriöse Organisationen. Von der Größe lässt sich nicht auf die Zuverlässigkeit schließen, sagt Burkhard Wilke vom DZI: "Es gibt verschwenderische Organisationen, aber das sind die wenigsten und es gibt sie egal, ob klein oder groß. Die Seriosität hängt nicht von der Größe ab, sondern von der Führung."

Gut geführte Spendensammler würden nie mögliche Spender emotional unter Druck setzen - dies die Faustregel von Stefan Loipfinger: "Der Spender soll Geld geben, weil er sich schlecht fühlt. Das ist ein Gebahren, das eine seriöse Organisation nie an den Tag legen darf."

Stand: 18.12.2012, 11.05 Uhr