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Silikon, Kunststoff, Melamin Wann bunte Küchenhelfer giftig werden

Wie heiß darf die Silikon-Backform und das Mikrowellengeschirr eigentlich werden? Kann ich den Kunststoff-Pfannenwender auch mal im Rührei liegen lassen? Und wie heiß darf der Brei im Melamin-Kinderteller sein?

Backformen aus Silikon

Backformen aus Silikon sind beliebt - schön bunt, pflegeleicht und platzsparend

Ein Beitrag von Sabine Schütze, SWR Umwelt und Ernährung

Die Antworten auf diese Fragen sind wichtig, damit keine gesundheitsschädlichen Stoffe ins Essen übergehen. Denn Küchenutensilien halten Hitze ganz unterschiedlich aus. Infos dazu suchen Verbraucher allerdings oft vergeblich. Das hat eine Marktstudie der Verbraucherzentralen ergeben.

Silikon-Backformen, Plastik-Kindergeschirr und -Küchenutensilien im Test

Verbraucher haben es schwer im Umgang mit Plastikgeschirr

Verbraucher haben es schwer im Umgang mit Plastikgeschirr

Backformen aus Silikon halten 200 Grad im Backofen aus. Spezielles Mikrowellen-Geschirr darf rund 140 Grad heiß werden. Die bunten, harten Plastikteller und -becher jedoch, die für Kindergeschirr beliebt sind - auch gern beim Campen genommen werden - sind nichts für heiße Lebensmittel, meint Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Diese bestehen häufig aus einer Substanz, die heißt Melaminharz. Das ist besonders problematisch, wenn das mit heißen Flüssigkeiten befüllt wird. Darf auch auf keinen Fall in die Mikrowelle oder in den Herd gestellt werden. Bis 70 Grad sind diese Produkte sicher. Darüber hinaus können beispielsweise Formaldehyd oder Melamin austreten. Das sind einfach Stoffe, die gesundheitsschädlich sind." Sie gelten als reizend, krebserregend oder lösen Atemstörungen aus.

Neben Formaldehyd und Melamin auch hormonell wirksame Stoffe

In einem bundesweiten Marktcheck haben die Verbraucherzentralen bei Küchenutensilien und Geschirr aus Kunststoff sowie Silikon die Materialkennzeichnung und Hinweise für eine sichere Verwendung überprüft. Ergebnis: Fehlende oder unzureichende Angaben sind eher die Regel als die Ausnahme.

Außerdem gehen die Experten der Verbraucherzentralen davon aus, dass sich etliche weitere unbekannte Stoffe aus den Kunststoffen lösen können sowie Abbauprodukte, die hormonell wirksam sind: "Ein problematischer Stoff ist das Nonylphenol. Das ist ein Abbauprodukt von Substanzen, die eine Stabilität gegen Hitze und Sonnenstrahlung als Zusatzstoff diesem Kunststoff zugesetzt wird.

Diese Substanzen können sich aus dem Material herauslösen und ins Essen übergehen. Je salziger, säurehaltiger und fetthaltiger Lebensmittel sind, desto größer ist das Risiko, dass Stoffe übergehen. Ganz entscheidend ist allerdings auch die Frage der Temperatur. Also je stärker die Lebensmittel erhitzt werden in diesem Kunststoffbehältnis und je länger, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Stoffe einfach übergehen können."

Kochlöffel aus Kunststoff

Viele bunte Küchenhelferlein aus Kunststoff

Doch wer eindeutige Warnhinweise sucht, etwa dass sich ein Becher aus Melamin überhaupt nicht für eine heiße Tasse Tee eignet, der sucht oft vergeblich. Und auch auf den Pfannenwendern ist nur bei jedem zweiten Produkt ein Hinweis auf dem Stiel eingeprägt. "Ich habe jetzt hier zwei Beispiele. Bei dem einen sieht man, dass man nichts sieht. Das andere Produkt, da steht: hitzebeständig bis 210 Grad und darf nicht in der Pfanne liegen gelassen werden."

Kennzeichnung völlig unzureichend

Die Verbraucherzentralen fordern klare Angaben am Produkt und auf dem Etikett. Doch beim Melamingeschirr fehlte an fast der Hälfte der untersuchten Produkte der Hinweis, dass sie nicht mit heißen Lebensmitteln über 70 Grad befüllt werden dürfen und auch nicht mikrowellengeeignet sind. Bei den Silikon-Backformen gab es die Temperaturhinweise fast ausschließlich an der Verpackung, nicht auf der Form selbst.

In den meisten Fällen muss sich also der Verbraucher diese nötigen Informationen mühsam selbst zusammenkratzen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, beim Braten, Kochen und beim Erhitzen von Lebensmitteln in der Mikrowelle auf Geschirr und Küchenutensilien aus Melaminharzen zu verzichten. Werden diese Gebrauchsgegenstände bei Temperaturen unterhalb von 70 °C verwendet, bestehen jedoch keine gesundheitlichen Bedenken - das entspricht zum Beispiel den Bedingungen beim Einfüllen heißer Getränke in Tassen oder Becher. Der Übergang von Melamin und Formaldehyd kann unter diesen Verwendungsbedingungen als unbedenklich eingestuft werden.

Online: Heidi Keller, Heidemarie Martin

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