Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Rohstoffe Der Kampf um die Seltenen Erden

Deutschland steht vor einem neuen Rohstoffbündnis mit Kasachstan, bei dem es vor allem um eine geregelte Versorgung mit Seltenen Erden gehen soll. Die weltweite Nachfrage nach diesen Metallen steigt seit Jahren rasant an - doch warum sind Seltene Erden so wichtig und begehrt?

Seltene Erden in China

China fördert den Großteil der weltweit gehandelten Seltenen Erden

Neodym für Dauermagneten, Ytterbium für Energiesparlampen, Pradeodym für Elektromotoren: Die 17 Seltenen Erden finden sich fast immer gemeinsam in Magma-Gesteinen. Ohne die Seltenen Erden lässt sich heute kaum noch eine moderne Technologie herstellen. Das betrifft auch die so genannten "Grünen Technologien". Da scheint es verwunderlich, dass trotz der Bedeutung dieser Rohstoffe, die Weltversorgung mit Seltenen Erden derzeit zur Hälfte aus nur einer einzigen Mine und zu insgesamt 95 Prozent aus China stammt.

Doch so selten sind Seltene Erden gar nicht - eigentlich gibt es sie fast überall. Zwei Drittel der gesicherten Reserven liegen außerhalb von China. Das Problem ist nur, dass es sich in den meisten Fällen nicht lohnt, sie abzubauen. Besser: es lohnte sich nicht. Zwar sind Metalle und ihre Erzformen meistens nur in Spuren zu finden, doch nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur laufen weltweit an 270 Stellen neue Abbauprojekte an. Und das verteilt über 28 Länder.

Illegaler Abbau erschütterte den Marktpreis für Seltene Erden

Bis vor rund 20 Jahren wurden die Seltenen Erden noch weltweit abgebaut. Bis dahin waren die USA sogar Hauptlieferland. Doch dann wurde der Abbau größtenteils eingestellt, da die Konkurrenz aus China einfach billiger war.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass etwa die Hälfte der chinesischen Produktion aus illegalen Minen stammen dürfte. Das ist vor allem bei den sehr gesuchten so genannten "schweren Seltenen Erden" der Fall. Dort macht sich auch niemand die Mühe, die Säuren, mit denen die Metalle ausgewaschen und gelöst werden, ordnungsgemäß zu entsorgen.

Jetzt, da die Weltmarktpreise für Seltene Erden stark ansteigen, wird der Abbau auch für die Unternehmen in anderen Staaten wieder interessant. In West-Australien am Mount Weld beginnt der kommerzielle Abbau noch in diesem Jahr. Und es gibt eben auch bekanntermaßen große Vorkommen in Kasachstan. In Nebraska, Kanada, Pitinga in Brasilien, in Namibia und sogar bei Delitzsch in Sachsen: Seltene Erden sind überall zu finden. Zuletzt wurden große Mengen im Schlamm am Grund des Pazifiks in vier bis fünftausend Meter Tiefe nachgewiesen. Bei all diesen Vorkommen lautet die Frage nicht, ob man sie abbauen kann, sondern: zu welchem Preis?

Wie steht es um den Abbau in Kasachstan?

Niedrigste Lohnkosten und einkalkulierte Umweltverschmutzung ermöglichen es China, die Seltenen Erden kostengünstig anzubieten. Vor allem westliche Demokratien und Sozialstaaten haben es schwer, da preislich mitzuhalten. In Kasachstan herrschen ähnliche Zustände wie in China. Das könnte einen wettbewerbsfähigen Preis garantieren. Zudem ist Kasachstan, das seit 1991 durch den autokratischen Staatschef Nasarbajew regiert wird, schon heute, nach Russland und Großbritannien, Deutschlands drittgrößter Rohöllieferant.

Werner Eckert; Onlinefassung: Stephan Braig

Quelle: SWR.de - Wissen

Letzte Änderung am: 08.02.2012, 10.04 Uhr