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SENDETERMIN Fr, 30.9.2016 | 9:51 Uhr | SWRinfo

Gedanken

Ilka Sobottke, Evangelische Kirche

40 Tage bis zur Wahl - Verachtungshierarchie
Drei Monate war ich in den USA zum Studieren.
Und habe dort so etwas wie eine Verachtungshierarchie gefunden.
Viele verachten die, die schwächer sind als sie selber.
In den Kirchengemeinden, wo man sich um Obdachlose kümmert oder um andere Verlierer in der Gesellschaft, da machen sich die Leute vor allem lustig über Trump' s Haare, über sein Frauenbild und seine Dummheit.
Und sie sind erschrocken darüber, dass er so weit kommen konnte,
wie er jetzt ist.

Die Verachtunghierarchie funktioniert so:
Trump wendet sich vor allem an zwei Gruppen von Leuten:
Einerseits die weißen Männer, denen es stinkt, dass sie jetzt einen schwarzen Präsidenten haben.
Trump meint, eine Frau an der Spitze dieses mächtigsten Landes würde den Untergang des Abendlandes bedeuten.
Andererseits wendet er sich an die Armen,
vor allem an die Weißen, die in den letzten Jahren
aufgrund der Weltwirtschaftskrise ihr Haus und ihre Jobs verloren haben,
die jetzt in zwei Jobs arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen.
Er sagt natürlich nicht:
Weil ich so reich bin, und weil andere so reich sind, deswegen seid ihr so arm.
Er erklärt: "Weil es Mexikaner im Land gibt und weil wir einen schwarzen Präsidenten haben, der viel zu viel Geld für Soziales ausgibt, deswegen seid ihr arm."

Es ist ähnlich wie bei uns.
Da wenden sich die Rechten auch an die Leute, die voll Angst wahrnehmen, dass ihr Leben schwieriger geworden ist.
Und sie sagen: das kommt von den Flüchtlingen.
Das heißt: sie hetzen die Schwachen gegen die Schwächsten auf.

Dabei wächst ja die Armut der Armen bei uns seit Jahren,
genauso wie die Wohnungsnot.


Wie kommen wir da raus aus dieser Spirale von Verachtung nach unten
Erstens: nicht denen glauben,
die immer die Ärmsten zu Schuldigen erklären.
Zweitens: Umverteilen, dahin wo Menschen etwas brauchen
Drittens: Die ungebremste Gier der Reichen stoppen.

"Recht und Gerechtigkeit sollen das Land erfüllen
wie ein Strom, der nie austrocknet!"
sagt der Prophet Amos.
Gerechtigkeit hilft gegen Verachtung.

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