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Neue Telekom-Tarife Mehr Leistung für mehr Geld

Die Telekom peppt die Mobilfunk-Tarife auf: Mehr Daten-Volumen, Telefonieren und Internet-Surfen im EU-Ausland ohne Zusatzkosten, schnelleres Internet über Hotspots. Für wen sich das überhaupt lohnt.

Neues Telekom-Tarifmodell für den Mobilfunk

Neues Telekom-Tarifmodell für den Mobilfunk - die Überraschung: Für Neukunden wird es teurer! Das günstigste Angebot kostet in Zukunft 35 Euro statt bisher 30 Euro.

Die Fragen beantwortet Jan Seidel, SWR Wirtschaft und Soziales

  • Ab wann gelten die neuen Telekom-Tarife?

Das neue Tarifmodell gilt ab dem 19. April - dann wird die Telekom die alten Tarife nicht mehr anbieten.

  • Was ist daran neu?

Als Kunden waren wir es bisher gewohnt, dass die Handytarife spätestens alle zwei Jahre ein bisschen billiger werden. Das ändert sich jetzt bei der Telekom: Alle Tarife sind fünf Euro teurer als ihre Vorgänger - dafür bieten sie auch mehr: Telefonate und SMS innerhalb Deutschlands sind in allen Tarifen inklusive, das Datenvolumen für mobiles Internet steigt, dazu können die Kunden die Hotspots der Telekom kostenlos nutzen. Und: Wer mit den neuen Tarifen unterwegs ist, kann auch im europäischen Ausland kostenlos telefonieren, Smsen und surfen - sogar in der Schweiz.

  • Was ändert sich für Bestandskunden?

Für Kunden, die jetzt schon einen der Tarife Magenta Mobil S, M oder L haben, bringt die Sache erst einmal nur Vorteile: Sie bezahlen weiterhin den alten Preis - bekommen aber automatisch auch das größere Datenvolumen im Internet und die Flatrate für Telefonate und SMS im Inland. Sie können aber weiterhin nicht kostenlos an den Hotspots surfen oder im Ausland telefonieren.

  • Für wen lohnen sich die neuen Tarife?

Für die meisten Kunden lohnen sich die neuen Tarife wahrscheinlich nicht: Wer nicht viel mobiles Internet braucht und viel im Ausland unterwegs ist, der dürfte bei anderen Anbietern günstigere Alternativen finden. Spannend könnte das Preismodell aber für Kunden sein, die auch einen Festnetz-Anschluss bei der Telekom haben und da ein Kombimodell buchen wollen - das dürfte auch das Ziel des Konzerns sein.

Steigen Mobilfunk-Tarife? Eine Trendwende auf dem Mobilfunk-Markt?

Junger Mann mit Brille hört mit einem grünen Handy und Kopfhörer Radio

Was bietet die Konkurrenz?

Gespräch mit Thorsten Neuhetzki, Internet-Fachportal teltarif

Bisher sind die Mobilfunk-Preise immer weiter nach unten gegangen, jetzt sollen sie steigen: Deutet sich eine allgemeine Trendwende auf dem Mobilfunkmarkt an?

Zumindest bei den Netzbetreibern könnte das der Fall sein. Also die drei großen, die wir noch am Markt haben: Telekom, Vodafone und O2. Da sehen wir schon seit längerem, dass die Preise wirklich nicht mehr weiter nach unten gehen, sondern die Anbieter eher dazu tendieren, mehr Leistung bei gleichbleibenden Preisen - oder jetzt eben bei steigenden Preisen - in die Tarife zu packen.

Ganz anders sieht es auf dem Discounter-Markt aus, da ist es weiterhin so, dass die Preise fallen, und zwar ziemlich rapide.

Lohnt sich das Angebot der Telekom für Normal-Nutzer, die ab und zu unterwegs online sein möchten und eher selten im Ausland telefonieren oder surfen?

Aus meiner Sicht, ganz klar, nein. 35 Euro für eine Allnet-Flat-Rate, wenn ich wirklich nur dieses Angebot nutzen möchte, also nur telefonieren und ein bisschen Internet, sind aus meiner Sicht viel zu teuer. Sie bekommen vergleichbare Angebote, die sich in ein oder anderen Punkten zum Beispiel LTE-Nutzung unterscheiden, auch schon für 20 Euro - im O2-Netz beispielsweise. Auch da mit LTE für weit unter zehn Euro im Monat. Man muss also wirklich die Anforderungen an explizit diesen Telefontarif haben. Sprich: Man sollte die Hotspot-Nutzung wollen und Auslandsnutzung sollte man auch relativ häufig vornehmen - wenn man das nutzt, ist dieser Tarif wirklich günstig.

An wen wendet sich die Telekom mit dem neuen Tarif?

Montage: telefonierende Frau , Geldscheine und Telefonrechnung

Interessant sind Kombimodelle mit Festnetz und Mobilfunk

Hauptsächlich an ihre eigenen Kunden. Klingt ein bisschen komisch, ist aber in der Tat so. Die Telekom forciert diese Strategie Magenta 1, was eine Koppelung der Festnetz und der Mobilfunkschiene ist: Die Telekom möchte ihren Kunden sowohl Festnetz als auch Mobilfunk verkaufen und wenn man sich darauf einlässt, sind diese Angebote in der Tat auch günstig, weil sie dann zusätzliche Rabatte und zusätzliche Leistungen bekommen. Dieses Kombi-Angebot ist durchaus attraktiv - aber auch da gilt wieder: Nur dann, wenn man das alles wirklich braucht.

Viele Mobilfunkanbieter klagen über hohen Druck: Sie müssen einerseits versuchen, die Kunden mit attraktiven Preisen an sich zu binden - auf der anderen Seite müssen sie viel in neue Technik investieren. Vor einigen Jahren war das UMTS, jetzt das schnellere LTE. Wie wird sich der Markt entwickeln?

Drei kleine Schnecken kriechen über einen Strang von Netzwerkkabeln.

Nach UMTS kommt LTE - schnelleres Internet kostet Netzbetreiber richtig Geld

Die Anbieter werden noch mehr investieren müssen. Aus zwei Gründen: Zum einen steht der nächste Mobilfunkstandard nach LTE - dann 5G in den nächsten Jahren - schon in den Startlöchern. Da soll es ab 2020 etwa losgehen. Da müssen die Netzbetreiber wieder massiv in ihre Technik investieren, neue Sendemasten aufbauen, zusätzliche Leitungen zu den Sendemasten, et cetera.

Was auch ganz wichtig ist: Der Daten-Traffic in den Mobilfunknetzen nimmt immer weiter zu. Damit müssen die Anbieter die Netze weiter verdichten - also auch da investieren. Die Investitionen bei den Netzbetreibern sind gefragt und somit entstehen auch massive Kosten.

Online: Heidi Keller und Martina Schlick

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