Leistungsdruck im Bett

Andere haben auch keinen Sex

SWR1 Der Abend; Online-Redaktion: Peter Mühlfeit

Da wird gelogen, übertrieben und an sich selbst gezweifelt: Was ist normal? Wie machen es die anderen? Sex ist ständig präsent, aber ehrliche Antworten gibt es selten. Im Bett herrscht nicht selten unnötiger Leistungsdruck.

"Oversexed and underfucked" - die Autorin Ariadne von Schirach ("Der Tanz um die Lust") prägte den Begriff, der ausdrückt, dass wir in unserer Gesellschaft ständig von Sex umgeben sind, aber deshalb nicht unbedingt viel Sex haben.

Nur beim Thema Geld werde noch mehr gelogen als beim Thema Sex. "Die häufigste Lüge ist natürlich, wie oft man kann", sagt der Sexualwissenschaftler Dr. Kurt Seikowski im SWR-Gespräch. "Sexualität wird bei den Männern auf den Penis reduziert. Über Zärtlichkeit redet kein Mensch."

Das komme erst im Alter, so Seikowski: "Neuere Zahlen belegen, dass Sexualität bis ins Alter erhalten bleibt. Dabei steht aber nicht der Orgasmus im Vordergrund, sondern Körperkontakt, Nacktheit, Streicheln - das was wir Zärtlichkeit nennen."

Lass uns über Sex sprechen

Der Rumpf einer Frau mit erotischer Wäsche bekleidet.

Sex ist kein Schmuddelthema mehr.

Für jüngere Menschen sei Sex dagegen ein "Statussymbol". Das komme im Freundeskreis immer gut an. "Sex ist kein Schmuddelthema mehr, es wird mehr darüber geredet. Erziehung, Religion und Schule spielen dabei natürlich eine Rolle", betont Seikowski. "In Ostdeutschland redet man lockerer über Sex, als in den katholischen Hochburgen im Westen. Die Jugend sagt immer häufiger: Sex interessiert uns nicht, das wissen wir schon, erzählen Sie uns lieber etwas über Liebe."

Dennoch ist die Unsicherheit bei vielen Jugendlichen noch immer groß, weiß Jutta Stiehler, Leiterin des "Dr.Sommer"-Teams bei der Jugendzeitschrift "Bravo". "Wir bekommen in der Woche mehrere hundert Anfragen", sagt die Sozialpädagogin. "Dabei drehen sich viele Fragen um das erste Mal."

Was ist guter Sex?

"Guter Sex ist, wenn beide Lust aufeinander haben und man sich ein bisschen Zeit für einander nehmen kann", erläutert Kurt Seikowski. "Es muss nicht der Orgasmus sein, es sollte einfach entspannend und schön sein. So allgemein sollte man es auch belassen."

Das Nachlassen der Sexualität im Rahmen einer langjährigen Partnerschaft habe auch mit dem Alltag zu tun. "Liebe und Sex muss immer wieder erneuert werden", betont der Wissenschaftler. "Die meisten haben Sex im Schlafzimmer, da ist es kalt, es wird an der Heizung gespart. Da kann man doch auch mal eine andere Ecke in der Wohnung benutzen."

Hilfsmittel wie Pillen seien nicht wirklich die Lösung. Da stelle sich die Partnerin doch die Frage: "Wer schläft denn hier mit mir - das Potenzmittel oder Du?" Für Seikowski steht fest: "Sexualität hat sich verändert. Es ist eigentlich nicht weniger geworden. Aber die Selbstbefriedigung ohne einen Partner hat sehr zugenommen, auch bei Frauen."

1/1

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten

In Detailansicht öffnen

Sex sells, selbst Bücher: Mehr als 40 Millionen Mal wurden die sexuellen Fantasien "Shades of Grey" der Britin Erika Leonard alias E. L. James bereits verkauft - ein Erfolg, der es selbst mit "Harry Potter" aufnehmen kann. In diesem Jahr soll der erste Band verfilmt werden.

Sex sells, selbst Bücher: Mehr als 40 Millionen Mal wurden die sexuellen Fantasien "Shades of Grey" der Britin Erika Leonard alias E. L. James bereits verkauft - ein Erfolg, der es selbst mit "Harry Potter" aufnehmen kann. In diesem Jahr soll der erste Band verfilmt werden.

Sextourismus ist nicht nur Männersache. Der halbdokumentarische Film "Paradies: Liebe" des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl erzählt die Geschichte der 50-jährigen Teresa, gespielt von Margarethe Tiesel (re.), die nach Kenia reist, um die "Beach Boys" zu treffen, die ihre Dienste Europäerinnen anbieten.

Doch egal ob Mann oder Frau: Käuflich sind nicht Liebe und Zuneigung, sondern nur sexuelle Handlungen. In Deutschland ist Prostitution legal. Sex gegen Geld bieten schätzungsweise rund 400.000 Menschen in der Bundesrepublik an. 95 Prozent davon sind Frauen, männliche Sexarbeiter bleiben die Ausnahme.

Ein weiteres Tabu-Thema sind Erektionsstörungen. Dabei hat laut amerikanischen Erhebungen in den USA jeder zweite Mann über 40 Jahre mehr oder weniger große Probleme. Rezeptpflichtige Pillen wie Viagra können helfen. Die Krankenkassen sind in Deutschland aber nicht verpflichtet, die Kosten der Tabletten zu übernehmen.

Das Thema Sex ist im Internet allgegenwärtig: 652 Millionen Treffer ergibt das Suchwort "Sex". Regelmäßig nutzen 15 Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen Erotik-Angebote aus dem Internet.

Und noch ein paar Zahlen: Der Bundesbürger hat durchschnittlich 2,7 Mal in der Woche Sex, das Liebesspiel dauert im Durchschnitt 17 Minuten. Ausgeübt werden im Schnitt fünf verschiedene Stellungen. 17 Prozent der Frauen, aber auch zehn Prozent der Männer würden beim Geschlechtsverkehr ans Telefon gehen, wenn es klingelt.

Stand: 18.01.2013, 08.21 Uhr