Neues Microsoft-Betriebssystem

Windows 8 - mutig, aber nicht konsequent

Andreas Reinhardt, SWR Wirtschaft und Soziales; Online: Heidi Keller

Neun von zehn Rechnern laufen mit Windows. Microsoft bringt jetzt die Version 8 des Betriebssystems auf den Markt und bricht mit der Vergangenheit. Bei Windows 8 ist alles anders - mutig, aber nicht konsequent genug, findet SWR Technik-Experte Andreas Reinhardt, der Windows 8 schon länger testet.

Kacheloptik

Windows 8 startet deutlich schneller als seine Vorgänger. Und dann ist alles anders, als bei den früheren Windows-Versionen. Bunte Rechtecke und Quadrate erscheinen auf dem Startschirm, so genannte Live-Kacheln. Ein Klick darauf öffnet die Anwendung, doch schon vorher zeigt "Mail" wie viele Nachrichten da sind, "Wetter", ob es diesig ist und der "Kalender", welche Termine anstehen - "live" eben. Nicht alle Kacheln passen auf den Schirm, doch statt nach unten zu rollen, müssen wir jetzt nach rechts, um die anderen zu sehen. Wer will, kann die Kacheln nach seinem Geschmack umsortieren. Der Knopf "Start" unten links fehlt und damit auch das Startmenü.

Einkaufen

Neu ist die Schaltfläche "Store". Wie bei Apple oder Android gibt es jetzt auch bei Windows Apps, die ich mir direkt aus einem Online-Shop herunterladen kann. Es gibt kostenlose und kostenpflichtige Apps. Jede installierte App wird zu einer Kachel auf dem Startschirm und lässt sich von dort aus starten. Diese Apps laufen bildschirmfüllend, das heißt es sind keine Fenster. Es gibt kein „X“ mehr oben rechts, um sie zu schließen.

Desktop

Der gute alte Desktop ist auch noch vorhanden, ist aber eine Anwendung, eine App. Alles scheint gewohnt, doch auch hier fehlt der "Start"-Knopf. Wenigstens finden wir den vertrauten Papierkorb und die Icons, wenn ich Programme installiert habe. Hier gibt es auch weiterhin Fenster, die sich mit dem „X“ oben rechts schließen lassen.


Bedienung, bitte!

Microsoft hat Windows 8 ein neues Bedienkonzept verpasst. Wer den Mauszeiger in die rechte obere Ecke steuert, öffnet das so genannte „Charms“-Menü. Suchen, Teilen oder auch die Einstellungen sind von hier aus erreichbar. Wer ein Tablet mit Windows 8 hat, wischt vom rechten Rand ins Bild, um „Charms“ zu öffnen. Analog dazu gibt es links ein Menü, dort werden die letzten geöffneten Programme angezeigt, geöffnet wird es mit dem Mauszeiger nach links oben oder beim Tablet von links in den Bildschirm wischen. Apps werden geschlossen, in dem man von oben nach unten wischt oder beim PC mit gedrückter Maustaste zieht.

Suchen und finden

Bei Windows 8 sitzt ein erfahrener PC-Benutzer genauso unbeholfen vor dem Rechner wie ein Anfänger. Alles ist woanders, nichts mehr am gewohnten Platz. Dafür gibt es eine Suchfunktion, die Apps und Dokumente etc. finden kann. Einfach lostippen, schon öffnet sich die Suchleiste. Doch viele Funktionen wie wir sie seit Jahren kennen, scheinen verschollen.

Und was soll das alles?

Microsoft hat sich etwas dabei gedacht, Windows 8 komplett umzukrempeln. So soll das Bedienkonzept auf allen Geräten gleich sein. Ob Schreibtischrechner, Tablet oder Smartphone mit Phone 8, überall die selben Kacheln. Wenn ich will, muss ich keine Daten mehr abgleichen. Alle Oberflächen greifen über mein Benutzerkonto in der Cloud auf meine Daten zu. Endlich sind die Bedienelemente so groß, dass sich das System auch mit dicken Fingern steuern lässt. Für Tablet und Smartphone mag das toll sein. Ob ein Desktop mit Touchscreen Sinn macht, wage ich aber zu bezweifeln.

Updates und Preise

Wer XP, Vista oder Windows 7 auf seinem Rechner hat, kann bis Ende Januar für knapp 30 Euro auf Windows 8 umsteigen. Wer nach Juni 2012 einen Win7-PC gekauft hat, kommt für knapp 15 Euro dran. Hardware und Software, die auf Win7 läuft, soll laut Microsoft auch auf Windows 8 laufen. Wie immer gibt es von Microsoft einen Assistenten, der das überprüft. Hier der Link zum Anklicken: http://windows.microsoft.com/de-DE/windows-8/upgrade-to-windows-8

Es gibt eine jeweils in 32 Bit und 64 Bit eine Version für Heimanwender sowie eine „Pro“ mit erweiterten Sicherheitsfunktionen. Als Vollversionen kosten sie rund 90 Euro bzw. 130 Euro.

Fazit: Mutig, aber nicht konsequent

Andreas Reinhardt beantwortet Fragen von Zuschauern mit PC-Problemen

SWR-Experte Andreas Reinhardt

Die Idee von Windows 8 ist im Prinzip gut. Microsoft hat nicht nur erkannt, dass der PC bei Heimanwendern irgendwann sterben wird, sondern auch gehandelt. Eine Oberfläche auf allen Geräten, das ist mutig. Wer sich dran gewöhnt hat, findet es gar nicht schlecht und vor allem übersichtlich. Ersteinsteiger ohne PC-Vergangenheit werden es mögen. Doch Windows 8 ist nicht intuitiv und schon gar nicht konsequent. Der Mischbetrieb mit Desktop und den Programmen in Fenster-Optik und den Apps, die stets den Bildschirm füllen, verwirrt viele Nutzer. Wer mit Windows 7 gut zurecht kommt, muss nicht wechseln. Wer dagegen als Exot mit Tablet und Smartphone ins Microsoft-Lager wechselt, sollte den PC auch umstellen.

Stand: 25.10.2012, 16.19 Uhr