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Kommentar Energiewende Nur ein Anfang ist gemacht

Deutschland hat die Energiewende ein schönes Stück vorangebracht. Das schönere Stück. Denn was bisher geschah, das war nur der leichte Anfang. Die echte Wende kommt erst noch.

Einsames Windrad

Einsames Windrad

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR Umweltredaktion

Tatsache ist: Ein Drittel des Stroms kommt heute von Sonne und Wind. Das sind Zahlen, die der rot-grünen Regierung um die Jahrtausendwende niemand glauben wollte. Damals wurden Atomausstieg und Energiewende eingestellt. Nein, es war nicht die Wende von Angela Merkel. Die hat sie nur nach dem Desaster von Fukushima zu ihrer Sache gemacht.

Was wir bisher sehen und erleben, ist aber eigentlich erst der Anlauf zur Wende. Von der wird man erst sprechen können, wenn Erneuerbare Energien die Hälfte des Stroms bringen. Dann ist es nämlich vorbei mit dem "wir haben da auch noch Windstrom neben den Kohlekraftwerken".

Die Aufgabe wird oft unterschätzt

Wende wird sein, wenn wir neben den Erneuerbaren auch noch andere Kraftwerke haben. Wenn der Kraftwerkpark nach Sonnenschein und Wind gesteuert wird. Wir nähern uns diesem Punkt. Aber die Aufgabe, die noch vor uns liegt, wird gerne unterschätzt. Eine Energiewende ist nämlich mehr als eine Stromwende. Wärme und Mobilität… da haben wir noch gar nicht richtig angefangen.

Beides wird - nach heutigem Stand - wahrscheinlich mit deutlich erhöhtem Stromverbrauch einher gehen. Denn Elektroautos und –laster und Wärmepumpen- die Lösungen für diese Bereiche – brauchen Strom. Und auch wenn wir mit Windstrom Gas erzeugen, muss das Windrad dafür Strom erzeugen. Und der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Primärenergieverbrauch liegt erst bei 11 Prozent.

Kein Selbstläufer

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Es gibt also keinen Grund, die Energiewende als Selbstläufer zu sehen. Das ist sie – längst – noch nicht. Nach wie vor braucht sie politische Unterstützung. Ich meine, wir tun viel zu wenig für die Energieeffizienz – den sparsamen Umgang mit Energie.

Das fängt bei den Verbrauchswerten für Autos an, geht über Unternehmen, die einfachste Maßnahmen nicht umsetzen, weil das Management andere Prioritäten hat und endet bei dem Einwegflaschenwahn, durch den Samstags nicht nur lange Schlangen vor den Rückgabe-Automaten entstehen, wenn honorige Bürger wie die Clochards säckeweise Leergut zu Geld machen. Das ist auch energetisch ineffizient.

Auf die Bremse getreten

Wir brauchen auch weiter politische Unterstützung für den Ausbau der Erneuerbaren. Es ist richtig, ihn so kostengünstig wie möglich zu gestalten – etwa mit Ausschreibungen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Und es ist richtig, den Prozess für neue Lösungen offen zu halten.

Aber es ist längst noch nicht Zeit, um so drastisch auf die Bremse zu treten, wie die Bundesregierung das zuletzt getan hat. Ja, wir haben einen guten Start hingelegt bei der Energiewende. Aber "we did it" dürfen wir mit Fug und Recht erst sagen, wenn wir von Kohle, Öl und Gas unabhängig sind.


online: Peter Mühlfeit, Heidemarie Martin

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