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Kinderarbeit für Smartphone-Akkus Der Markt für "saubere Handys" ist dünn

Um das für Handys notwendige Kobalt abzubauen, müssen laut einer Studie auch Kinder in Minen schuften. Wir haben nachgefragt: Gibt es Smartphones, die garantiert ohne Kinderarbeit produziert wurden?

Verschiedene Smartphones

Telefonieren, chatten, surfen: Darauf will heute kaum jemand mehr verzichten.

Antworten von Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion

Ich weiß nur von einem Unternehmen, das sich wirklich damit beschäftigt, wo die Materialien herkommen; das alles offenlegt und dem man einigermaßen vertrauen kann, dass sie zu mindestens einen Anlauf machen, bessere Produkte auf den Markt zu bringen.

Das ist ein Produkt namens Fairphone. Ein Unternehmen aus den Niederlanden, das gerade sein zweites Smartphone auf den Markt gebracht hat. Die legen relativ deutlich offen, wo sie ihre Materialien herbekommen. Sie investieren vor allen Dingen sehr viel Geld um Materialien zu bekommen, die zertifiziert sind, die unter ökologischen und sozial-erträglichen Bedingungen zustande gekommen sind.

Es gilt allerdings erklärtermaßen nur für einige Materialien - zum Beispiel für Tantal und Zinn. Das beziehen sie aus dem Kongo oder aus Ruanda. Ihr Gold beziehen sie zertifiziert aus Südamerika. So weit ich das gesehen habe, ist Kobalt auf dieser Liste nicht drauf. Das Unternehmen macht auch sehr deutlich: Es ist extrem schwierig und extrem teuer, Material zu bekommen, das für die Herstellung von Handys nachweislich sauber erzeugt worden ist.

Dieses Fairphone schneidet im Test nicht so gut ab. Muss man also ein bisschen abwägen, was einem wichtiger ist: Leistung oder gutes Gewissen?

Kinder arbeiten auf der undatierten Aufnahme von Amnesty International in einer Kobaltmine.

Laut Amnesty International schürfen schon Siebenjährige in afrikanischen Minen

Ich glaube, das ist ein Teil der Wahrheit. Diese Tests haben allesamt gezeigt, dass es ein vollwertiges Smartphone ist, das alles tut, was man von einem Smartphone erwarten darf. Die Kamera ist nicht High-End, das Display ist immerhin Full-HD, die Akkulaufzeit könnte besser sein - aber es ist insgesamt ein voll funktionierendes Smartphone.

Man muss also nicht leidensfähig sein, um so etwas zu erwerben. Man darf aber nicht zu sehr an den Status denken: Es ist kein High-End-Gerät mit dem man Eindruck schindet. Dafür hat dieses Modell neben der Herkunft seiner Rohstoffe noch einen weiteren Vorteil: Es ist modular aufgebaut. Das heißt, man kann es auseinandernehmen und Teile ersetzen. Dadurch ist es nachhaltig, wenn man so will.

Die meisten Handy-Modelle sind heute verklebt und verschraubt, man kann sie nicht öffnen. Selbst wenn nur der Akku kaputt ist, muss man das ganze Gerät wegwerfen, wenn der Bildschirm kaputt ist, sowieso.

Smartphone mit Händen, die Rohstoffe zeigen, auf dem Display

Kann man als Verbraucher ohne weiteres auf ein "faires Handy" umsteigen?

Beim Fairphone kann man den Akku ohne weiteres für 25 Euro ersetzen, den Bildschirm für 90 Euro selbst zu Hause aus- und wieder einbauen. Das ist auch kein Problem, haben Tests gezeigt. Trotzdem ist das Ding stabil und nicht größer oder schlechter als jedes andere Smartphone auch. Das ist also ein sehr integriert gedachtes Produkt, bei dem sich ein Unternehmen wirklich drum kümmert, dass es im besten Sinne nachhaltig ist.

Werden nicht doch einige Verbraucher davor zurückschrecken - allein schon wegen des hohen Preises?

Der Preis ist tatsächlich relativ hoch. Aber im Gegensatz zu den High-End-Modellen, bei denen das meiste Geld für Marketing rausgeht, geht hier weit über die Hälfte wirklich für das Produkt selbst drauf. Zudem werden mehr als zehn Prozent zusätzlich für Sozialprogramme gezahlt. Es ist so angelegt, dass am Ende für den Hersteller eigentlich kein Gewinn übrig bleibt. Das ist ein neutral arbeitendes Unternehmen. Die wollen von diesem zweiten Modell ihres Smartphones 140.000 Stück unter die Leute bringen. Das ist allerdings ziemlich ambitioniert.

Online: Ulrike Raffel

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