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"Jugend rettet" Flüchtinge im Mittelmeer "Lass mich hier nicht sterben"

Fast täglich ertrinken Flüchtlinge im Mittelmeer. Unter den Helfern im Kampf gegen den Tod sind junge deutsche Aktivisten. Seit Juli retten sie im Mittelmeer Menschenleben.

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5:41 min

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Rettungsaktion im Mittelmeer

"Jugend rettet" kümmert sich um Bootsflüchtlinge

Von Alev Seker

Die Flüchtlinge, die auf ihrer Fahrt in kleinen Booten übers Mittelmeer sterben, sind ihnen nicht gleichgültig. Daher haben junge Leute aus Deutschland die Organisation "Jugend rettet" gegründet.

Eine Gruppe junger Leute aus Deutschland hat vor einem Jahr entschieden: Wir können nicht länger tatenlos zuschauen, wie Menschen auf der Flucht ertrinken. Also haben sie 150.000 Euro Spenden gesammelt, um ein Boot zu kaufen: einen über 60 Jahre alten holländischen Schiffskutter, die "Iuventa". Die Gruppe nennt sich "Jugend rettet" und kommt Flüchtlingen in Seenot zu Hilfe.

Funkspruch - Rettungswesten raus und los geht's

Ein voll besetztes Boot mit Flüchtlingen und ein kleines Motorboot.

Eines der Schlauchboote mit Flüchtlingen ist überfüllt

Einsatz von Malta aus: Die "Iuventa" ist in den nächsten zehn Tagen das Zuhause von 13 Freiwilligen aus ganz Deutschland - mit dabei auch ein Kapitän und ein Arzt. 24 Stunden braucht das Schiff über das Mittelmeer bis Richtung Libyen und ist die ganze Nacht unterwegs.

Dann ein Funkspruch: Zwei treibende Schlauchbote werden gesichtet. Jetzt muss es schnell gehen und die Handgriffe sitzen, die Tage zuvor trainiert wurden. In Säcken stehen die Rettungswesten bereit. So schnell wie es geht werden die Rettungswesten zu den überfüllten Flüchtlingsbooten gebracht.

Völlig erschöpfte Schwangere unter den Geretteten

Lena Waldhoff, die zweite Vorsitzende von "Jugend rettet" und ihr Team wissen nicht, in welchem Zustand die Menschen sind. Aber sie wissen, dass sie vor Krieg und Elend geflohen sind. Das Team muss dafür sorgen, dass alle ruhig bleiben und keine Panik ausbricht, dennoch gibt es kleine Rangeleien. Unter den Flüchtlingen sind viele schwangere Frauen und Kinder. Sie sind völlig erschöpft, aber am Leben. "Die Menschen waren in einem Ausnahmezustand, gucken einem in die Augen und sagen 'lass mich hier nicht sterben'", erzählt Lena.

Verätzungen durch Benzin und Salzwasser

Der Beitrag läuft am 24. September um 14.00 Uhr auf ARTE "Yourope" und am 25. September um 12.45 Uhr im "ARD Europamagazin" im Ersten.

Mit den Schlauchbooten bleibt ein beißender Benzingeruch zurück. Sabeth Becker erläutert, dass die Frauen vorne im Boot stundenlang in einem Sud aus Salzwasser und Benzin saßen. Beide Flüssigkeiten zusammen wirken ätzend auf die Haut. Meistens würden dadurch Beine und der Genitalbereich verletzt.

Der Schiffsarzt kümmert sich sofort um die Verletzten

Unter Deck behandelt Schiffsarzt Wolfgang Kulas die Frauen. Er ist Arzt im Ruhestand und hat viel in seinem Berufsleben gesehen. Dennoch ist er erschüttert: "Wenn man diesen Weg geht, und das wissen die, dass sie diesen Weg gehen müssen oder wollen, dann muss es in ihrer Heimat einfach schrecklich sein. Und wir sind nicht bereit, das zu verbessern. Das finde ich einfach schlimm."

Kein Flüchtling fragt, wohin sie gebracht werden

Flüchtlinge auf einem voll besetzten Schiff.

Etwa 140 Flüchtlinge sind auf das Schiff von "Jugend rettet" geholt worden

Oben auf dem Deck können die 140 Flüchtlinge aus Nigeria, Senegal und Bangladesch ihr Glück kaum fassen, dass sie in Sicherheit sind: Sie umarmen sich, jubeln, klatschen und beten. Aber die Reise geht weiter. Jetzt kümmert sich die italienische Küstenwache um sie. Am Festland von Italien warten Auffanglager und Asylverfahren auf sie. Keiner von ihnen fragt, wo sie nach ihrer Rettung hingebracht werden. Es muss wohl überall besser sein, als an dem Ort, von dem sie gekommen sind.

Innerhalb von einer Woche retten Lena und die Crew mehr als 1.000 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Solange es keine geregelte, europäische Seenotrettung gibt, bleibt der Einsatz von "Jugend rettet" unentbehrlich.


Von Alev Seker | Online: Biggi Hoffmann

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