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Deutsche Flüchtlingspolitik im US-Wahlkampf Trump ätzt gegen Merkel

Angela Merkel ist zur unfreiwilligen Wahlkampfhelferin für Donald Trump geworden. Er lässt fast keine Gelegenheit aus, Deutschland als abschreckendes Beispiel darzustellen.

peinliche Trump Sprüche

Trump sieht deutsche Flüchtlingspolitik als Desaster

Von Sabrina Fritz, SWR-Korrespondentin in Washington

Trump schildert die Flüchtlingspolitik als großes Desaster für Deutschland und seine Bevölkerung. Als Kanzlerin habe sie versagt, behauptet er. Die Sympathiewerte für die deutsche Kanzlerin in den USA hängen sehr davon ab, wen man fragt, sagt ein US-Journalist, der viel über Europa berichtet. "Es hat sich verändert. Für die politische Rechte ist sie eine Enttäuschung und viele machen sie für die Flüchtlinge verantwortlich. Sie halten sie für die Verursacherin der Flüchtlingskrise, die in die USA überspringen könnte."

Auf der richtigen Seite der Geschichte

Damit hat sich das Bild von Angela Merkel in den USA in den letzten zwei Jahren deutlich verändert. 2014 bei einer der letzten großen Umfragen zu diesem Thema bewunderten die Rechten ihren Sparkurs in Europa. Die Linken mochten die vielen Sozialleistungen in Deutschland, die Elternzeit oder eine bezahlbare Krankenversicherung. Präsident Obama hat den Kurs der deutschen Bundeskanzlerin immer unterstützt. Im April bei seinem Deutschlandbesuch sagte er, Angela Merkel steht auf der richtigen Seite der Geschichte.

Hillary Clinton meidet den Vergleich

Hillary Clinton

Hillary Clinton: "Ich bewundere ihre politischen Fähigkeiten, ihre Prinzipien und ihre große Arbeitsethik"

Die Frau, die Obama gerne nachfolgen würde, die Demokratin Hillary Clinton, spricht in den letzten Monaten wenig über Angela Merkel. Anfang des Jahres war auch sie noch voller Bewunderung für die deutsche Bundeskanzlerin. "Ich muss sagen, ich bewundere Angela Merkel. Sie ist eine starke Führerin. Ich bewundere ihre politischen Fähigkeiten, ihre Prinzipien und ihre große Arbeitsethik", sagte Clinton in einem Interview mit dem "Time Magazin", der Zeitung, die Merkel 2015 zur Person des Jahres gewählt hat für ihre Flüchtlingspolitik. Doch seit Clinton Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei ist, scheut sie offenbar den Vergleich mit Angela Merkel.

Trump auf Anti-Merkel-Kurs

Für Trump dient dieser Vergleich als abschreckendes Beispiel. Hillary Clinton wolle Amerikas Angela Merkel sein, erklärt er. Die Botschaft verfängt, zumindest bei den Trump-Anhängern. Auf einer Wahlkampfveranstaltung sagte Chris Kennedy: "Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, was in Deutschland passiert. Ich denke nicht, dass Merkel eine gute Kanzlerin ist. Es gibt Parallelen zu den USA, aber es ist nicht ganz das selbe."

Neidisch auf Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Merkels Politik liefert Stoff für den US-Wahlkampf

Auch Trump spielt in seinem Wahlkampf mit der Angst vor Einwanderern, die Gefahr durch den radikalen Islam und Verlust von nationaler Identität. "Du musst deine Kultur beschützen. Ich möchte nicht, dass meine Enkel eine Welt ohne Deutschland und Frankreich erleben", sagt ein Amerikaner. Ein US-Journalist bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel. "Meine persönliche Meinung ist, viele Politiker hier sind neidisch auf sie, denn was immer sie tut, wie sehr ihre Umfragewerte sinken, sie hat keine ernsthafte Opposition."

Online-Fassung: Utku Pazarkaya, Sonja Linder

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