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Weltall  Asteroid ist in Rekordnähe an der Erde vorbeigerast

Der Asteroid "2012 DA14" ist am Freitagabend, wie erwartet, dicht an der Erde vorbeigeflogen. Nach ersten Esa-Auswertungen misst sein Durchmesser rund 50 Meter. Sein Gewicht liegt bei rund 130.000 Tonnen. Der Asteroid soll große Anteile von Metall enthalten.

Der Asteroid kam der Erde so nahe, dass er sogar in den Ring der Wetter- und Kommunikationssatelliten eindrang, die sich in 35.800 Kilometern Höhe um die Erde bewegen. Wir haben im Vorfeld mit dem Leiter des Instituts für Planetenforschung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin, Professor Alan Harris gesprochen.


Woher kommt dieser Felsbrocken?

Er gehört zu den erdnahen Asteroiden. Das sind verhältnismäßig kleine Brocken, wenn man das mit anderen Asteroiden vergleicht. Der größte erdnahe Asteroid hat einen Durchmesser von 40 Kilometern. Aber die meisten Objekte, die nahe an der Erde vorbei fliegen, haben nur einen Durchmesser von ungefähr zehn bis hin zu 100 Metern.

Wir wissen, dass im Jahr 2029 ein Objekt mit dem Namen Apophis auch sehr nahe an der Erde vorbei kommen wird. Apophis hat einen Durchmesser von 300 Metern. Das ist viel größer. Es wäre schon eine riesige Katastrophe, wenn so etwas die Erde irgendwann treffen würde.

Diese Objekte stammen fast alle aus dem Asteroiden-Hauptgürtel. Der liegt zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Es gibt in diesem Asteroiden-Hauptgürtel gelegentlich Kollisionen zwischen Asteroiden. Aus solchen Kollisionen entstehen Bruchstücke. Diese Fragmente können dann ihren Weg in das Innere des Sonnensystems finden. Sie zählen dann zu den sogenannten erdnahen Asteroiden.

Sie arbeiten an einem Projekt zur Abwehr von Asteroiden. Wie groß ist die Gefahr, dass die Erde getroffen wird?

Das Risiko ist sehr gering. Aber wie wir in diesen Tagen sehen, kann so ein Objekt sehr nah an der Erde vorbei fliegen. Das passiert immer wieder. Wie gesagt, im Jahr 2029 wird ein Brocken von 300 Metern Durchmesser in einer vergleichbaren Entfernung vorbei kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis so etwas die Erde tatsächlich treffen wird.

Im Jahr 1908 hatten wir ein Ereignis über Sibirien. Man vermutet stark, dass das auch so eine Asteroid war, der in die Erdatmosphäre eingetaucht ist und in einer Höhe von sieben Kilometern explodierte. Durch die Wucht der Druckwelle wurde eine Fläche von 2000 Quadratkilometern mit 80 Millionen Bäumen zerstört.

Wenn das über einer Stadt passierte wäre, hätte das zu einer Katastrophe mit vielen Toten geführt. Mit solchen Ereignissen, wie über Sibirien, müssen wir mit zeitlichen Abständen von einigen hundert Jahren rechnen. Das Problem ist, dass wir heute viel mehr dicht besiedelte Regionen und Städte auf der Erde haben.

In der Regel verglühen kosmische Geschosse mit einem Durchmesser bis zu 50 Metern, je nach ihrer Zusammensetzung, in der Erdatmosphäre. Etwa alle sechs Jahre kommt ein Asteroid dieser Größenordnung der Erde bedrohlich nahe.

Der Aufprall eines Asteroiden dieser Größe hinterlässt einen Krater von sechs Kilometern Durchmesser und verwüstet ein Gebiet doppelt so groß wie das Saarland. Seine Sprengkraft entspricht etwa 77.000 Hiroshima-Bomben. Schlägt er im Meer ein, muss mit gewaltigen Überschwemmungen gerechnet werden.

Hier droht eine Katastrophe globalen Ausmaßes: Eine Fläche von der Größe Frankreichs würde direkt zerstört. Durch den hochgeschleuderten Staub käme es außerdem zu weltweiten Klimaänderungen und einer globalen Zerstörung der Ozonschicht.

Ein "globaler Killer", wie er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und vermutlich die Dinosaurier auslöschte, droht uns etwa alle 15 bis 60 Millionen Jahre (Quelle: planet-wissen.de).

Der ca. 300 Meter lange Asteroid stellt die derzeit größte "Gefahr" dar. Nach derzeitigen Berechnungen soll er die Erde am 13. April 2029 in einer Entfernung von 30.000 Kilometern passieren. Ein Aufprall (Wahrscheinlichkeit unter 0,001 Prozent) könnte verheerende Tsunamis auslösen bzw. auf dem Festland alles Leben im Umkreis von bis zu 250 Kilometer auslöschen.

Kann man künftig einen Asteroiden-Einschlag vielleicht verhindern?

Es gibt technisch machbare Methoden. Ich leite ein Projekt mit dem Namen NEOShield. Es wird von der Europäischen Kommission finanziert. Wir erforschen mögliche Methoden, mit denen man die Umlaufbahn von Asteroiden ändern kann. Ein Szenario wäre: Wir entdecken ein Objekt, das vielleicht in zehn oder 15 Jahren die Erde treffen könnte - mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit. Und es gibt dann eine politische Entscheidung, etwas dagegen zu unternehmen.

Die erste Methode, an die wir dann denken würden, nennt man den kinetischen Impaktor. Das ist ganz einfach zu erklären: es ist eine massive Raumsonde, die man dann in den Astroiden einschlagen lässt. Dadurch kommt es zu einer leichten Änderung der Umlaufbahn des Asteroiden. Wenn man das mit einem Vorlauf von zehn Jahren machen könnte, würde es hoffentlich dazu führen, dass der Asteroid an der Erde vorbeifliegt. Man würde dazu eine hohe relative Geschwindigkeit der Sonde brauchen von zehn bis 15 Kilometern pro Sekunde. Laut den Berechnungen könnte das funktionieren.

Asteroiden sind Kleinplaneten und Gesteinsbrocken, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befinden. Ein Komet enthält mehr Eis als ein Asteroid und bildet einen Schweif aus. Schlägt ein Asteroid auf der Erde auf, spricht man von einem Meteoriten.


In einem konkreten Fall braucht es dann noch die politische Entscheidung...

Ja, das ist die große Frage. Es gibt keine Organisation weltweit, die sich zuständig fühlt. Wir arbeiten da mit den Vereinten Nationen zusammen. Es gibt gerade ein Treffen von Fachexperten von der Europäischen Weltraumagentur ESA und der NASA. Dort besprechen wir jetzt Möglichkeiten für eine Organisation, die Verantwortung tragen würde für solche Entscheidungen. Die soll dann unter dem Dach der Vereinten Nationen sein. Wir wissen noch nicht, ob das wirklich zustande kommt.

Ich denke, so etwas sollte es eigentlich geben. So dass man weiß: Es gibt ein internationales Gremium. Sie haben Zugang zu Experten. Sie können Entscheidungen treffen. Und dann können wir uns vielleicht ein bisschen sicherer fühlen, wenn es wirklich irgendwann darauf ankommt.

Gespräch: Simone Lafos, Online-Redaktion: Utku Pazarkaya

Letzte Änderung am: 14.02.2013, 14.15 Uhr