Kommentar

Der Fall Amazon - Die Kehrseite des Online-Handels

Johannes Schmid-Johannsen (SWR Wirtschaft); Online-Fassung: Lutz Heyser

Der Versandhändler Amazon ist eingeknickt. Über Arbeitsbedingungen von Amazon-Leiharbeitern empören sich nach einem ARD-Bericht nun Tausende. Der Online-Händler hat jetzt reagiert, zwei Partnerunternehmen wurden fristlos gekündigt. Doch die Probleme mit der Leiharbeit sind damit nicht zu Ende und beileibe auch kein Einzelfall in der Branche, meint Johannes Schmid-Johannsen:

Ein Mitarbeiter der Versandabteilung des Amazon Logistikzentrums in Pforzheim (Baden-Württemberg) legt ein fertig verpacktes Paket auf ein Fließband.

Amazon steht wegen seines Umgangs mit Leiharbeitern in der Kritik

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon bleiben umstritten. Amazon ist ein internationaler Konzern, mehrere Tausend Mitarbeiter arbeiten an zehn Standorten in Deutschland. Viele davon nur mit befristeten Verträgen, viele bloß als eilig angelernte Mitarbeiter, die man schnell ersetzen kann. Denn Arbeitssuchende gibt es genug. Jeder ist austauschbar. Rechte kann der Einzelne darum nicht einfordern. Deshalb braucht so ein Riesenladen auch einen Betriebsrat - an allen Standorten, am besten auch konzernweit.

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Amazon reagiert auf Shitstorm im Netz

Amazon Deutschland hat bei Facebook über 2,8 Millionen Fans. Die waren in der Vergangenheit ziemlich unkritisch. Kleine Preise, super Angebote, tolles Unternehmen, das gab es da zu lesen. Tausende klicken dann auf "Gefällt mir". Bis zur ARD-Dokumentation "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon": Für einen kurzen Moment gab es aus den Millionen Fans in der Community einen Aufschrei. Empörung, Entrüstung! Amazon musste das Problem wegbekommen, möglichst schnell weg mit den kritischen Kommentaren. Denn das könnte dem Image schaden.

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Der Druck muss bleiben, damit noch mehr passiert

Also werfen die Medienberater von Amazon den Sozialromantikern bei Facebook einen Happen hin: Amazon kündigt den vermeintlich Schuldigen, und schon ist alles gut. Ich finde, so einfach darf man es Amazon nicht machen. Nachgeben, nach dem Motto, jetzt ist auch wieder gut, andere Firmen sind auch nicht besser - das finde ich falsch! Der Druck muss bleiben, von uns allen, mit kritischen Kommentaren der Kunden bei Facebook und kritischer Berichterstattung in den Medien. Denn sonst passiert wieder nichts.

Weil wir wissen, dass Amazon kein Einzelfall ist, muss die Politik endlich handeln. Der Gesetzgeber muss die Regeln für die Leiharbeit überarbeiten, Grenzen setzen. Und die Politik muss die Mitbestimmung stärken. Große Unternehmen mit vielen Tausend Mitarbeitern ohne Betriebsrat, das darf es nicht mehr geben in Deutschland. Erst dann ist wirklich etwas passiert.

Stand: 19.02.2013, 11.08 Uhr