Dass Einsamkeit krank macht, kann man sich auch ohne wissenschaftliche Studien gut vorstellen. Doch Forscher in den USA können jetzt belegen: Wer sich isoliert fühlt, hat ein ebenso hohes Sterberisiko wie ein Raucher, ein Alkoholiker oder ein Fettleibiger. Das gilt für Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten.
Es ist eine Kettenreaktion, die mit der Isolation ihren Anfang nimmt. SWR-Wissenschaftsredakteurin Anja Braun erklärt es so: Einsame Menschen achten weniger auf ihre Gesundheit, gewöhnen sich den Umgang mit anderen Menschen ab und fühlen sich zunehmend unsicher. In der Folge leiden sie stärker unter Depressionen und anderen psychischen Problemen; sie haben ja keine Vertrauten, denen sie sich mitteilen können. Menschen mit einem guten sozialen Umfeld sind dagegen häufig geistig aktiver, können sich mit anderen auseinandersetzen und erhalten mehr Anregungen. Das kräftigt das Immunsystem, denn wer kontaktfreudig ist, ist mehr unterwegs, der Körper wird mit mehr Einflüssen konfrontiert und baut dadurch mehr Abwehrmechanismen auf.
Die Studie der US-Wissenschaftler hat jetzt den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Sterberisiko nachgewiesen. Wobei das "Krankheitsbild" Einsamkeit einer Definition bedarf. Schließlich gibt es Menschen, die gerne allein sind oder die Einsamkeit sogar suchen – zum Beispiel im Kloster. Andere klagen über Einsamkeit, obwohl sie gar nicht alleine sind – viele Prominente zum Beispiel. Die Studie definiert Einsamkeit als gefühlte Isolation. Menschen, die keinen Ansprechpartner haben, niemanden, dem sie sich anvertrauen können, bezeichnen sich als einsam.

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Das steht in der Studie: Einsamkeit ist ebenso so schädlich wie Rauchen oder Alkoholmissbrauch. Aus der Langzeitstudie mit über 300.000 Teilnehmern folgt, dass unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status ein Zusammenhang zwischen höherem Sterberisiko und Einsamkeit besteht. Demnach hat Einsamkeit nichts damit zu tun, ob die Menschen alleine oder mit anderen zusammenleben. Ausschlaggebend ist die gefühlte Isolation, das heißt: Wenige Kontakte zu haben und niemand darunter, dem man sich anvertrauen kann.
SWR-Wissenschaftsredakteurin Anja Braun sieht das Heil für Einsame in der Flucht nach draußen: "Wer sich isoliert fühlt, muss Kontakte suchen und den Umgang mit anderen erst wieder einüben. Denn wer sich einsam fühlt, traut sich oft gar nicht mehr aus dem Haus und weiß nicht mehr, wie man andere Menschen anspricht." Der Beitritt zu einem Sportclub, der Besuch von Kursen an der Volkshochschule – das ist der mögliche erste Schritt. "Danach kann man versuchen, intensivere soziale Kontakte aufzubauen."
Doch Einsamkeit ist kein Altersphänomen. Die US-Studie zeigt, dass sich Menschen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts isoliert fühlen. Deshalb empfehlen die Forscher Medizinern, Erziehern und Lehrern, darauf zu achten, ob Menschen einsam sind. Und ihnen dann soziale Kontakte zu verschaffen.
Anja Braun befürchtet übrigens, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen einsam fühlen werden: "Sie sitzen daheim vor dem Rechner, pflegen ihre Kontakte nur virtuell und gehen immer seltener raus, um Andere persönlich zu treffen".
Andreas Braun, Anja Braun
Letzte Änderung am: 28.07.2010, 11.35 Uhr