Gut gestylt, ist halb verkauft. Dieses Motto soll jetzt auch für Immobilien gelten. In Deutschland gibt es immer mehr Unternehmen, die ihren Kunden versprechen: Das Haus ist mehr wert, wenn die Optik stimmt. Das Konzept ist eigentlich einfach.
"In Szene setzen." Nichts anderes bedeutet "Home Staging". Die Idee stammt aus den USA. Tina Humburg aus Wiesbaden ist seit anderthalb Jahren in dieser Branche tätig. Außerdem hat sie die Deutsche Gesellschaft für Home Staging, kurz DGHR, ins Leben gerufen, um die Idee in Deutschland populär zu machen. "Home Staging" umfasst sechs Punkte:
Phase 1 | Das Haus wird gereinigt. |
Phase 2 | Das Haus wird aufgeräumt. |
Phase 3 | Ein Farbkonzept wird erstellt. |
Phase 4 | Kleine Reparaturen werden erledigt |
Phase 5 | Leihmöbel und Accessoires werden aufgestellt |
Phase 6 | Das Haus wird vorher und nachher fotografiert. |
Home Staging verspricht seinen Kunden einen Wertzuwachs der Immobilie zwischen drei und zehn Prozent. Im Gegenzug verlangen die Berater ein bis drei Prozent vom Verkaufspreis. Und der Verkauf geht schneller. Im Moment dauert es ungefähr ein Jahr, bis eine Immobilie verkauft wird. Bei "Home Staging" verkürzt sich die Zeit laut DGHR auf drei bis sechs Monate.
"Wir wollen das Haus so neutral wie möglich zeigen", sagt Beraterin Tina Humburg. Deshalb werden alle persönlichen Gegenstände des vorangegangenen Eigentümers entfernt. Besonders negativ würden Haustiere bewertet. "Für die Hälfte der potentiellen neuen Besitzer ist das ein Grund, vom Hauskauf Abstand zu nehmen", so Humburg. Das Credo beim "Home Staging" ist: "Der Käufer will nicht sehen, wie der alte Besitzer eingerichtet war, sondern wie er selbst darin leben kann." Wer sein Auto verkaufe, sauge schließlich auch vorher durch und lasse keine Gegenstände darin liegen. Theoretisch also ganz einfache Grundsätze, die jeder Haus- und Wohnungsbesitzer auch selbst umsetzen könnte. Aber nicht jeder hat die Zeit oder das richtige Händchen dafür. In Deutschland sei "Home Staging" noch ein langsam wachsender Trend, sagt Tina Humburg. Im Dachverband DGHR sind inzwischen knapp 30 Mitglieder organisiert. Im Vergleich zu den USA stecke die Branche damit bei uns allerdings noch in den Kinderschuhen.

Den meisten Besitzern falle es schwer, sich von ihrem Eigentum zu trennen, hat Humburg festgestellt. Sie rät deshalb beim Immobilienverkauf: "Man muss sich im Kopf von dem Haus verabschieden und es nur noch als Produkt sehen." Langfristig glaubt die Beraterin an den Erfolg von Home Staging auch hierzulande. "Schließlich ist es in vielen anderen Bereichen selbstverständlich, Produkte gut zu vermarkten." Schwerwiegende Mängel sollten Eigentümer jedoch nicht zu übertünchen versuchen. Sonst müssen sie womöglich mit der Rückabwicklung des Verkaufs rechnen. Und für Käufer gilt: nicht allein vom schönen Aussehen überzeugen lassen und im Zweifelsfall einen Sachverständigen mit zur Besichtigung nehmen.
Andreas Böhnisch, Simone Lafos, Sabine Geipel
Letzte Änderung am: 25.06.2010, 16.22 Uhr