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Nervtötende Vuvuzelas Der Kampf gegen das Dauer-Tröten

Es steht jetzt schon fest, daß sie DIE Plagegeister der FIFA WM 2010 sind: die Vuvuzelas. Nach wenigen Spieltagen fühlen sich Fans, Spieler und Reporter gleichermaßen genervt vom alles überlagernden Summton der Fan-Tröte. Doch lässt sich das Getöse irgendwie leiser stellen?

Im Prinzip geht das, sagt SWR Tontechniker Andreas Walter. Das Hilfsmittel der Wahl heiße "vollparametrischer Equalizer", ein Gerät, das in jedem modernen Mischpult integriert ist. In der Praxis wird die Sache schwieriger, da ARD und ZDF den Ton im Stadion zugeliefert bekommen und nicht einfach verändern dürfen. Doch zurück zur Theorie mit dem Equalizer: Dafür müsse man zunächst den Grundton ermitteln, den die Fan-Tröten erzeugen, so Walter. "Diese Grundfrequenz liegt bei der Vuvuzela bei etwa 233 Hertz". Dazu kommen noch die Frequenzen, die durch Obertöne – quasi Oktavsprünge - erzeugt werden.

Auf die Frequenz kommt es an

"Wenn man diese Frequenzen sehr schmal rausfiltert, dann hat man das Summen zumindest stark gemindert", verspricht Walter. Dann könne man auch den Zuschauerjubel wieder besser hören. Wie das genau funktioniert, haben schon vor ein paar Tagen Technikfreaks der Website surfpoeten.de beschrieben. Walter hat zum Nachprüfen eine "Vorher"- und "Nachher"-Variante produziert. Doch wer jetzt die klassische Stadion-Atmosphäre erwartet, dürfte enttäuscht werden: das Getröte ist trotz Filter noch deutlich zu hören.


Auch SWR-Hörfunk-Techniker Maximilian Federhofer hat verschiedene Filter ausprobiert. Er ist mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden: "Die Tröte ist so laut und bewegt sich auf so vielen Frequenzen, daß quasi gar keine Stadion-Atmosphäre mehr vorhanden ist, die man verstärken könnte". Das Vuvuzela-Geräusch habe sich durch die Filter lediglich verändert.

Filtern, bis nichts mehr übrig bleibt

Volker Drews ARD-Fernsehregisseur

Volker Drews

In Südafrika arbeiten ARD-Tontechniker derweil unter Hochdruck daran, die Ton-Filter weiter zu verbessern. Schon beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien wurden sie eingesetzt: und das sei auch schon deutlich hörbar gewesen, meint ARD-Bildregisseur Volker Drews. Er ist in Südafrika für das mitverantwortlich, was wir am Ende auf unseren Bildschirmen sehen und hört das Vuvuzela-Getöse im Ü-Wagen oder in der Senderegie. "Dieser Dauer-Ton wie ein Mückenschwarm ist einfach unangenehm", sagt er. "Doch nachdem man jetzt die genaue Frequenz der Tröte ermittelt hat, kann man auch noch genauer filtern", beschreibt Drews den Vorgang, der im Fachjargon – ganz passend zur WM – "Steilflankierung" heißt. Damit die Kommentatoren besser hörbar sind, werden spezielle Lippen-Mikrofone eingesetzt.

Vuvuzela-Filter im Heim-Computer

Wem das alles nicht reicht, der kann zu Hause selbst versuchen, die Vuvuzela-Dröhnung aus dem Fernsehen zu mindern – am Computer mit der entsprechenden Software. SWR-Tontechniker Andreas Walter nennt dafür beispielsweise "Logic" oder "Samplitude". Mit den Programmen könne der Ton schon "live", mit minimaler Verzögerung bearbeitet werden. Walter schränkt allerdings ein: "Es funktioniert nur, wenn ich einen externen Tuner habe, der nicht im Fernseher eingebaut ist, also einen Satellitenreceiver, einen DVB-T-Empfänger oder einen Tuner für Kabelempfang". Nur dann nämlich lässt sich per Kabel das Bild- und Ton-Signal auftrennen und der Ton am PC separat bearbeiten. Und: "Das geht zu Lasten des gesamten Tonspektrums, man beschneidet dann auch die Sprecherstimme mit", sagt Walter. Keine allzu befriedigende Lösung, die das störende Summen nur mindern, aber nicht beseitigen kann.

Simone Lafos

Letzte Änderung am: 14.06.2010, 13.26 Uhr