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Europa Verwirrung pur! EU will neue Energielabels

Parlament und Regierungen müssen noch zustimmen

Gut für die Industrie - schlecht für die Verbraucher: Künftig soll es nach Plänen der EU vier verschiedene Etiketten geben, die die Energieeffizienz von Elektrogeräten und weiteren Produkten kennzeichnen. Käufer können sich im neuen Etiketten-Dschungel kaum zurecht finden.

An der ursprünglichen Idee ist grundsätzlich nichts auszusetzen: Die neuen Energielabels sollen künftig auf sehr viel mehr Geräte kommen als bisher, z.B. auf Fernseher. Und auch Produkte, die Einfluss auf den Energieverbrauch haben, bekommen wahrscheinlich bald einen Aufkleber verpasst, z.B. Duschköpfe: Wenn sie viel Wasser durchlassen, verbrauchen sie auch viel Energie. Das Problem: Statt eines einheitlichen Labels soll es wahrscheinlich bald vier verschiedene Varianten geben - je nach Produkt: A bis G, A+ bis F, A++ bis E und A+++ bis D.

Die Verbraucher blicken nicht mehr durch

Käufer werden getäuscht: Wenn eine Kühl-Gefrier-Kombination derzeit mit A++ gelabelt ist, braucht das Gerät nur halb so viel Strom, wie eines mit A. Den Verbrauchern ist das oft nicht bewusst: Laut einer Studie der Uni St. Gallen schätzen sie den Unterschied zwischen A, A+ und A++ viel geringer ein, als zwischen C, B und A.

"Das ist bewusste Verbraucherverwirrung", sagt SWR-Umweltredakteur Werner Eckert. Schon jetzt ist die Etikettierung nicht eindeutig: Bei Kühl-Gefrier-Kombinationen beispielsweise ist die Skala einfach nach oben erweitert worden. Der Grund: Die meisten Geräte haben inzwischen Energieeffizienz A. „Nur noch 20 Prozent der Kühl-Gefrier-Kombinationen sind nicht A", erklärt Werner Eckert: "Also hat man schon mal vor fünf Jahren A+ und A++ eingeführt, um der Entwicklung Rechnung zu tragen."


Der neue Kompromiss macht alles schlimmer

Genau das kritisiert der SWR-Umweltredakteur bei dem neuen EU-Kompromiss: "Es wäre das Sinnvollste gewesen, die Kennzeichnung A-G beizubehalten und die jeweiligen Anforderungen von Zeit zu Zeit heraufzusetzen. Dagegen hat sich die Industrie heftig gewehrt. Sie lebt schön damit, dass sie mittlerweile nur noch A-Geräte anbietet und will nicht, dass ihre Produkte plötzlich wieder mit C oder schlechter etikettiert werden."


Was kann der Verbraucher tun?

Werner Eckert rät: Wer sich über ein Gerät informiert, sollte auf die Farbkodierung auf den Labels achten: „Die Klassen, ganz egal wie sie eingeteilt sind, haben immer noch eine Farbunterlegung." Rot stehe für die schlechteste Energieeffizienz, dunkelgrün für die beste. Wenn das Label nicht bei Dunkelgrün markiert sei, dann handele es sich auch nicht um das bestverfügbare Gerät.

Werner Eckert, Solveig Merkel

Letzte Änderung am: 19.11.2009, 11.34 Uhr