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Streit um Internet-Auftritt des FCK Sind die Roten Teufel Gotteslästerer?

Echte Fans hängen mit fast religiöser Verehrung an ihrem Club. Mit dem Bekenntnis "Betze unser" wirbt der 1. FC Kaiserslautern jetzt für Dauerkarten auf dem Betzenberg. Damit zieht der Verein allerdings den Zorn einiger gläubiger Christen auf sich.

Die Proteste laufen beim evangelischen Dekanat in Kaiserslautern auf. "Soll da ein Fußballverein angebetet werden?" fragen die Anrufer, so Dekanin Angelika Keller im SWR-Gespräch. Beim FCK versteht man die Aufregung nicht. Club-Sprecher Christian Gruber weist die Vorwürfe entschieden zurück: Man habe die Kampagne unter anderem mit dem Bistum Speyer abgesprochen, da habe es keine Bedenken gegeben. "Auf keinen Fall wollten wir den Verein oder den Betzenberg mit Gott gleichsetzen."

Gott kann ein flapsiger Umgang nichts anhaben

Diego Maradona

Traf bei der WM 1986 mit der "Hand Gottes": Diego Maradona

Jörg Vins von der SWR-Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft sieht in der FCK-Kampagne keinen Fall von Gotteslästerung: "Wenn Gott ein Phänomen ist, dass unser ganzes Leben durchzieht – und das sagen ja auch die Theologen – dann muss man sich nicht wundern, wenn religiöse Sprache, Bilder und Phänomene auch im Alltag auftauchen. Die Werbung ist ja voll von Anspielungen aus dem religiösen Bereich. Was wird nicht alles mit dem Wort „himmlisch“ etikettiert, oder denken Sie an die rauchende Nonne in der Werbung."

Diego Maradona

Transparent von Schalke- Fans bei der Partie gegen den 1. FC Köln (Archivbild vom 13.8.2000)

Jörg Vins ist überzeugt: "Gott kann nicht gelästert werden. Gott ist ein Wesen, dem ein flapsiger oder beleidigender Umgang nichts anhaben kann. Menschen haben natürlich eine Antenne für das Heilige, für Ehrfurcht, für Andacht, deshalb sind sie auch verletzlich. Für manche darf das Heilige möglichst nicht berührt oder zerstört werden, das ist ein Tabu. Dabei muss man unterscheiden zwischen einer Verächtlichmachung Gottes und einem humorvoll gemeintem Umgang. Aber eine klare Grenze gibt es nicht."

Religiöse Bedenken sind nachvollziehbar

Religiöse Bezüge sind im Fußball ein alter Hut: Man erinnere sich an die "Hand Gottes" von Diego Maradona - und letztlich kann man auch die "Roten Teufel" als anstößig empfinden. SWR-Redakteur Jörg Vins: "Ich weiß, dass es Christen gibt, für die ist der Teufel nicht nur ein Prinzip oder ein Denkmodell, sondern ein Wesen, dass permanent im Kampf ist gegen das Gute. Menschen, die sich den Teufel auf diese Weise vorstellen, haben erhebliche Schwierigkeiten mit der Werbekampagne des 1. FCK. Da heißt es ja, man solle einen Pakt mit dem Teufel schließen. Das wird dann vermischt mit der Internetseite „Betze unser“, eine Anspielung auf das Vaterunser. Kurz: es gibt Menschen, die sich darüber aufregen."

Nicht jedes Windchen hat das Zeug zum Sturm

Die Christen wären gut beraten, wenn sie religiöse Formen, Rituale oder Symbole nicht ganz aus dem Alltag heraushalten wollten, findet Jörg Vins. "Insbesondere wenn sie spielerisch oder mit Augenzwinkern abgewandelt werden. Denn eines kann das Christentum nun heutzutage überhaupt nicht gebrauchen: abzutauchen in eine Tabuzone. Das erhöht keinesfalls die Attraktivität des Christentums." Im aktuellen Fall rät er, sich zusammensetzen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. "Und man muss genau hingucken. Nicht jedes Windchen hat das Zeug zu einem Sturm."


Andreas Braun, Jörg Vins

Letzte Änderung am: 14.08.2009, 12.01 Uhr