Verbrauchertäuschung

Plastiktüten sind keine Biobeutel

Sabine Schütze, Online-Redaktion: Andreas Böhnisch

Biologisch abbaubare Plastiktüten sind eine Irreführung der Verbraucher. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert deshalb Aldi. Der Discounter wirbt für sogenannte Bioplastiktragetaschen, die angeblich vollständig kompostierbar sind.

Plastikmüll

Plastik ist nicht "bio"

Die vermeintlich ökologischen Tragetaschen von Aldi sind zu zwei Dritteln aus Erdöl gemacht. Ein weiterer Bestandteile ist maisbasierte Polymilchsäure. Damit unterscheiden sie sich kaum von gewöhnlichen Plastiktüten. Dennoch ist die Verbrauchertäuschung legal. Die Tüten entsprechen trotz ihres hohen Erdölanteils der DIN-Norm für biologisch abbaubare Plastiktüten. Allerdings verrottet nur das eine Drittel aus Maisbestandteilen schnell genug, um es zu kompostieren. Der weitaus größere Bestandteil Erdölplastik ist erst nach drei Monaten zu 90 Prozent zersetzt. Das ist für Kompostier-Anlagen zu langsam. Deshalb müssen die angeblich ökologischen Tragetaschen aussortiert werden, weil der Kompost ansonsten eine zu schlechte Qualität hätte.

Plastikvermüllung ist eine ökologische Katastrophe

Plastik wird weltweit zu einem immer größeren Problem. In den Weltmeeren gibt es Stellen mit einer extrem hohen Plastikdichte. In diesen sogenannten Plastikstrudeln findet sich sechs Mal mehr Plastik als Plankton. Das Umweltprogramm der UNO schätzt, dass eine Million Seevögel, 100.000 Seehunde und unzählige Fische jedes Jahr durch Plastik sterben. Die Tiere werden von den Plastiktüten regelrecht erdrosselt oder von harten, scharfkantigen Plastikteilchen innerlich aufgeschlitzt. Dazu kommt noch, dass Plastik nicht nur selbst Schadstoffe enthält, sondern auch weitere Chemikalien aus dem Wasser aufnehmen kann. Dadurch werden hauptsächlich Seevögel vergiftet. Auch im menschlichen Blut sind Chemikalien der Plastikherstellung nachweisbar.

Plastiktüten: Gefahr für Mensch und Tier

Eine Welt aus Plastik
500 Milliarden Plastiktüten werden jedes Jahr auf der Welt produziert. Der Grund: Sie sind reißfest und weichen nicht auf, wenn sie nass werden. Außerdem sind sie in der Produktion günstig. Man verbraucht weniger Wasser und Energie als bei der Herstellung von Papiertüten. Bislang wurde weltweit so viel Plastik hergestellt, dass man unseren Planeten sechs Mal darin eintüten könnte.

Darüber hinaus verstopft Plastikmüll Siele und Abwasserkanäle. Dieser Müll ist besonders bei Hochwasser problematisch. Das bekamen die Menschen in Bangladesch und Indien schon zu spüren. Plastiktüten werden vor allem in armen Ländern immer häufiger genutzt. Experten gehen davon aus, dass die Tüten eine maßgebliche Rolle bei der Verbreitung von Malaria spielen. Denn feuchte Plastiktüten sind eine ideale Brutstätte der Erregermücken. Außerdem ersticken viele Tiere, die Plastiktüten fressen.

Müllvermeidung fängt beim Einkauf an

Keine Plastiktüten

Es muss nicht immer Plastik sein

Umweltverbände machen sich für ein Verbot von Plastiktüten stark. Eine solche Regelung ist jedoch in der Europäischen Union rechtlich nicht durchsetzbar. In der Bundesrepublik verzichten viele Verbraucher auch ohne gesetzliche Vorgaben auf Plastiktüten. Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr nur 65 Plastiktüten. Dieser Wert liegt weit unter dem EU-Durchschnitt. Ein Grund ist sicherlich, dass es Plastiktüten in deutschen Supermärkten schon lange nicht mehr umsonst gibt. Immer mehr Verbraucher nehmen deshalb den Stoffbeutel mit zum Einkaufen. Wer dennoch zur Plastiktüte greift, setzt auf Recycling. Dank der Mülltrennung landen zwei Drittel der verwendeten Plastiktüten in der gelben Tonne. Zum Vergleich: weltweit liegt die Recyclingquote der Plastiktüte bei einem Prozent.

Stand: 11.04.2012, 14.44 Uhr