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Neue Tierkrankheit  Schmallenberg-Virus breitet sich weiter aus

Totgeburten bei Schafen, Ziegen und Rindern - das sogenannte Schmallenberg-Virus breitet sich schnell aus: in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wurde die neue Tierkrankheit am Häufigsten diagnostiziert. Bundesweit sind inzwischen über 750 Bauernhöfe betroffen. Was passiert mit den Tieren? Ist das Virus auch gefährlich für Menschen?

Was ist das für ein Virus?

Es ist ein neues Virus, das 2011 zuerst in den Niederlanden aufgetaucht war. Ende vergangenen Jahres wurde das Virus zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen - in einem Stall im sauerländischen Schmallenberg - deshalb hat man ihm diesen Namen gegeben. Das sogenannte Schmallenberg-Virus ist verantwortlich für Totgeburten und Missbildungen bei Schafen, Ziegen und Rindern.

Im Norden von Rheinland-Pfalz war es ein Bison, bei dem das Virus gefunden wurde. Mittlerweile sind in Deutschland weit über 750 Bauernhöfe betroffen, davon mehr als 40 in Rheinland-Pfalz und über 20 in Baden-Württemberg. Auch in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien und Luxemburg wurden Fälle gemeldet. Das Virus gehört zu einer Gruppe von Viren, die sonst vor allem in Afrika, Asien und Australien vorkommen. Wann und wie der Erreger nach Europa gelangt ist, ist noch unklar.

Was passiert mit den Tieren?

Ein infiziertes Tier zeigt nicht unbedingt direkt Symptome - deshalb fällt es nicht gleich auf. Die Kühe geben deutlich weniger Milch, bekommen Fieber und Durchfall, es gibt Totgeburten. Den Schafen merkt man erst mal gar nichts an. Wenn sie aber trächtig waren und infiziert wurden, gibt es missgebildete oder tote Lämmer. Das hat man erst nach und nach mit diesem Virus in Verbindung gebracht, weil man ihn hier nicht kannte.

Wie wird das Virus übertragen?

Übertragen wird das Schmallenberg-Virus vermutlich durch Gnitzen (blutsaugende Mücken) und Stechmücken. An einem Prototyp für einen Impfstoff wird bereits gearbeitet. In der Zwischenzeit bleibt den Bauern nur, ihre Rinder, Schafe und Ziegen vor Mücken zu schützen - etwa mit speziellen Insektenschutzsprays.

Kann man Fleisch von diesen Tieren dann noch essen?

Die gute Nachricht:

Für Menschen ist das Schmallenberg-Virus wahrscheinlich ungefährlich - so die Einschätzung des Robert Koch-Instituts. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut beruhigt: nach allem, was derzeit bekannt ist, können wir auch weiterhin ohne Bedenken Milch trinken und Rindfleisch essen.

Kranke Tiere kommen bei uns nicht in die Lebensmittelproduktion. Das Friedrich-Löffler-Institut sagt dazu auch eindeutig: es ist nicht von Risiken für den Menschen auszugehen. Das Virus ist kein Zoonose-Erreger - das sind die bekannten Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch übertragbar sind, wie etwa Tollwut, Krätze oder die Borreliose. Hier gibt es keine Befürchtungen. Man kennt ähnliche, verwandte Viren und weiß von daher: es besteht kein Risiko für den Menschen.

Was sind die Folgen für die Landwirte?

Es werden keine ganzen Herden gekeult - so wie wir das von Seuchenausbrüchen, wie Maul- und Klauenseuche oder der Vogelgrippe kennen. Aber es hat natürlich wirtschaftliche Folgen, wenn Tiere erkranken oder tot oder missgebildet geboren werden. Die EU-Kommission hat Anfang des Jahres gesagt, der Handel soll erst mal nicht eingeschränkt werden. Russland hat aber jetzt - wohl wegen des Erregers - die Einfuhr von Schafen und Ziegen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden gestoppt. Wie stark sich wirtschaftliche Folgen bemerkbar machen, muss man noch abwarten.

Stefanie Peyk, Alice Thiel-Sonnen, Umwelt und Ernährung; Online: Heidi Keller

Letzte Änderung am: 28.02.2012, 07.18 Uhr