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Freies Leben, freie Wahlen, freie Presse - die Wünsche der Ägypter waren groß. Vor einem Jahr - am 11. Februar - zwangen sie durch ihre Massenproteste den Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt. Der "Pharao" ist also weg, ein Parlament wurde gewählt, doch das Land kommt dennoch nicht zur Ruhe. Das beobachten auch viele Ägypter im Ausland mit Sorge, geben die Hoffnung auf weiterhin positive Veränderungen in ihrem Heimatland aber nicht auf...

Massenproteste auf dem Tahrir-Platz Anfang 2011.
Magdy Abdallah ist zuversichtlich. Der 46-jährige Deutsch-Ägypter hat viele Verwandte in Alexandria und Kairo - zudem unterstützt er SEKEM, einen Verein, der vor Ort gemeinnützige Arbeit leistet. Das Jahr nach dem Sturz von Mubarak sei wie im Zeitraffer verflogen - die Euphorie der Revolution sei bei der Bevölkerung noch da, sagt er heute:
"Man sieht jetzt auch immer wieder, dass Leute auf die Straße gehen und jetzt in Richtung Militärrat fordern, dass der sich jetzt schneller ablöst. Also ich glaube schon, dass da noch ganz viel Energie in der Bevölkerung in Sachen Revolution ist."
Die Menschen in Ägypten wollen Veränderungen - das glaubt auch Naswha Abouseada. Sie kommt aus Kairo und promoviert seit zwei Jahren an der Uni Stuttgart in Germanistik. Die 31-Jährige hat das Brodeln in den Jahren vor der Revolution als Studentin miterlebt; besonders stolz ist sie auf die Frauen, die sich dem Regime mutig in den Weg gestellt haben - und die bis heute der Unterdrückung und den Misshandlungen trotzen. Mag sein, dass im neugewählten Parlament zu wenige Frauen sind, aber auf der Straße seien sie nach wie vor:
"Die ganzen Gewalttätigkeiten die jetzt gegen Frauen ausgeübt werden, sind ein Zeichen, dass es eine sehr starke Kraft ist, ein sehr starker Gegner, der bekämpft wird. Und von daher kann man nicht sagen, dass die Frauen jetzt keine Rolle haben. Nein, ganz im Gegenteil! Sie sind sehr stark, sie sind ein sehr kräftiger Gegner und sie werden auch bekämpfen."
Der letzte Versuch des Militärapparats an der Macht zu bleiben. Vor allem die jungen Menschen haben vor einem Jahr die Revolution vorangebracht. Immer stärker bekommen sie nun Unterstützung aus allen Schichten der Gesellschaft, von Gebildeten wie Ungebildeten, so Nashwa. Der Militärrat verliert immer mehr an Ansehen, ist sie sich sicher. Denn er hat zu viel Gewalt angewandt:
"Ganz am Anfang (der Revolution) war das Militär ja eher der Retter, der uns aus der Situation herausbringen sollte. Jetzt ist den Leuten klar, dass das nicht das Militär ist."
Zeit - das ist es, was das Land braucht, betonen Nashwa und Magdy immer wieder. Es sei noch völlig offen, ob die Islamisten die Oberhand gewinnen, ob die Hoffnungen an die Demokratie sich erfüllen werden, sagt etwa Magdy Abdallah.
"Das glaube ich auch, dass die Erwartungen sehr, sehr hoch sind. Und dass der Normal-Ägypter das letztlich auch ein bisschen an seinem persönlichen Geldbeutel, an seinen persönlichen Lebensumständen festmacht, ob das jetzt etwas geworden ist, oder nicht. Aber ich glaube auch, aus der Ferne betrachtet, dass das wirklich Generationen braucht, bis sich dort wirklich ein so spürbarer Wandel vollzogen hat, dass die Leute sagen, jetzt sind wir an der Stelle angekommen, wo wir hinwollen."
Diesen Weg wollen sie begleiten: Der Wirtschaftsingenieur Magdy Abdallah über seinen Verein. Die Doktorandin Nashwa Abouseada plant schon die Rückkehr – spätestens nach der Promotion will sie wieder in Kairo sein:
"Also ich glaube, Ägypten braucht jede Person, die auch gut gebildet ist, die dabei helfen kann, der breiten Schicht der Ägypter weiterzuhelfen."
Anna Koktsidou/ Online-Fassung: Dimi Triantafillu & Lutz Heyser
Letzte Änderung am: 10.02.2012, 10.53 Uhr