Seite vorlesen:
Angeblich plant der IT-Konzern IBM in Deutschland einen Jobabbau im ganz großem Stil: Bis zu 8.000 Mitarbeiter wären davon betroffen, die entweder in den kommenden Jahren gehen müssen oder nur als freie Mitarbeiter für das Unternehmen weiterbeschäftigt würden. Damit steht IBM in der IT-Branche längst nicht alleine da.
Noch sind es nur Gerüchte - IBM kommentiert sie nicht. Doch so wie es sich in der Wirtschaftspresse liest, sind die Pläne vom Stellenabbau in Deutschland schon recht weit gediehen. Demnach sollen angeblich 40 Prozent von derzeit rund 20.000 IBM-Mitarbeitern gehen. Grund dafür ist ein Kostensenkungsprogramm, dass die neue IBM-Chefin Virginia Rometty gerade konsequent durchboxt. So soll der Gewinn pro IBM-Aktie von derzeit gut zehn Dollar in den kommenden drei Jahren auf zwanzig US-Dollar pro Aktie gesteigert werden. Das geht nur, indem man Kosten weiter senkt oder aber die Gewinne steigert, am Besten beides.
IBM-Geschäftsjahr 2011
Nicht mit großen Sprüngen, aber mit Zuwächsen beschloss IBM das Geschäftsjahr. Der IBM-Jahresgewinn legte um sieben Prozent auf 15,9 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz wuchs um ebenfalls sieben Prozent auf 106,9 Milliarden Dollar. Auch das vierte Quartal verlief positiv: IBM steigerte seinen Gewinn um elf Prozent. Der Umsatz kletterte auf 29,5 nach 29,0 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Auch in diesem Quartal waren die Bereiche Software und Dienstleistungen erneut die Wachstumstreiber. IBM hatte nach dem Verkauf seiner PC-Sparte auf Dienstleistungen gesetzt. Das half dem einstigen Computer-Pionier auch, gut durch die Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre zu kommen.
Noch ist Deutschland der viertgrößte IT-Markt der Welt und der deutsche Standort für IBM, mit seinem Schwerpunkt für Automobil-Technologie, ein wichtiger Gewinnbringer. Das betont auch die IBM Deutschland-Chefin Martina Koederitz immer wieder.
Die starken Wachstumsmärkte für die IT-Wirtschaft liegen jedoch längst woanders: in China, in Indien und auch in Südamerika. Dorthin verlagern immer mehr Unternehmen ihre Stellen. So zum Beispiel auch der Netzwerkbetreiber Nokia-Siemens-Networks, NSN. Das Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Handyherstellers Nokia und des deutschen Technologiekonzerns Siemens streicht in Deutschland jeden dritten Job und plant, seine Hauptverwaltung in München gleich ganz dicht zu machen. Gleichzeitig hat das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren die Zahl der Mitarbeiter in Indien verdoppelt, in China sogar verdreifacht.
Sorgen in Deutschland: Dass nach Arbeitsplätzen in der Produktion nun auch gut bezahlte Jobs in Forschung, Entwicklung und Beratung aus Deutschland abwandern könnten, bereitet nicht nur Arbeitnehmervertretern Kopfzerbrechen, sondern stellt den Standort Deutschland vor neue Herausforderungen. Experten sprechen von einer zweiten Verlagerungswelle.
Lutz Heyser; Onlineredaktion: Peter Heilbrunner/Amélie Fröhner
Letzte Änderung am: 02.02.2012, 11.07 Uhr