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Spielemesse in Essen Das Brettspiel ist nicht totzukriegen

In Zeiten von Wii-Plattformen und Spielekonsolen hat ein Klassiker wie "Mensch ärgere dich nicht" keine Überlebenschance. Oder etwa doch? Die Spielemesse in Essen beweist, dass das Gesellschaftsspiel lebt. Aber es hat sich weiterentwickelt.

Samstag abends im Kreise der Familie Gesellschaftsspiele spielen - für viele aus der Ü-30-Generation ist das eine klassische Kindheitserinnerung. Heute ist es die Ausnahme - zumindest vermutet man das im Zeitalter von Spielekonsolen und gleichbleibend hohem Fernsehkonsum. Doch SWR Spiele-Experte Andreas Haaß schränkt ein: "Dass 'Mensch Ärgere Dich nicht!' nicht mehr so häufig gespielt wird, mag ja stimmen." Das Bedürfnis der Spiele-Konsumenten habe sich geändert. Aber es gibt auch eine deutlich größere Auswahl. "Da hat sich in den vergangenen Jahren ungeheuer viel getan", sagt Haaß. Und zumindest die steigenden Umsatzzahlen bei Kinderspielen zeigen, dass die Nachfrage ungebrochen ist.

Fotogalerie: Spiele des Jahres - welches kennen Sie?

Gespielt wird, was gefällt

Große Auswahl bedeutet aber auch große Konkurrenz. Zumal in den letzten zehn Jahren immer stärker Computer- und Videospiele auf den Markt gedrängt sind - und das mit familienkompatiblen Konzepten. Doch Spielefachmann Haaß sieht darin kein so großes Problem: "Ich glaube, es ist gar nicht so sehr eine Konkurrenz, sondern viel mehr eine Ergänzung." So würden viele Brettspiele inzwischen nach einem erfolgreichen Computerspiel entwickelt, und umgekehrt böten bekannte Brettspiele häufig die Vorlage für ein Computerspiel oder eine App auf dem Smartphone. "Viele Hersteller haben das erkannt." Andreas Haaß ist Mitglied in der Jury für das "Spiel des Jahres". Er findet es angenehm, dass er einen Klassiker wie "Carcassonne" auf seinem Smartphone im Zug spielen kann. "Und wenn ich mit Freunden zu Hause spielen will, packe ich das Brett aus." Manch ein Hersteller kombiniere auch inzwischen klassische Elemente mit Elektronik.

Was ist ein Gesellschaftsspiel?
Duden: Ein unterhaltendes Spiel, das von mehreren Kindern oder Erwachsenen zusammen gespielt wird.
woxikon.de: Darunter versteht man einen von zwei oder mehr Personen unternommenen Zeitvertreib zum Zwecke des Vergnügens. Oft handelt es sich dabei um Brettspiele oder Kartenspiele, aber auch um Schreibspiele, Ratespiele oder Scharaden.
Wikipedia: Im Mittelpunkt steht fast immer der soziale Aspekt des Spielens, die Vergesellung.

Je einfacher desto besser

Am Wichtigsten ist für Haaß, dass ein Spiel leicht verständlich ist und man schnell loslegen kann: "Viele Verlage versuchen jetzt, die Anleitungen so klar und kurz und mit so vielen Beispielen wie möglich zu gestalten." Übrigens auch ein Hauptkriterium dafür, dass ein Spiel zum "Spiel des Jahres" gewählt wird. "Es muss Spaß machen. Wenn ich mich bei einem Spiel erst durch die Anleitung arbeiten muss, wenn ich Sachen nicht verstehe oder Fehler im Spiel sind, dann ist das schon mal ziemlich schlecht", sagt er. Und die Materialien müssen natürlich in Ordnung sein: "Man darf nicht beim Auspacken schon die ersten vier Spiel-Plättchen zerrissen haben."


Nicht alle haben das Zeug zum Dauerbrenner

Doch der SWR Spiele-Experte räumt auch ein: "Spiele haben eine kurze Halbwertszeit." Sicher gebe es ein paar, die das Zeug zum Klassiker hätten und auch in vielen Jahren noch interessant seien. Von den 700 Spielen, die auf der Messe in Essen vorgestellt werden, sei das vermutlich aber nur ein Zehntel. "Doch das ist ja bei vielen anderen Produkten auch so, dass sich da nur ein kleiner Prozentsatz durchsetzt."

Letzte Änderung am: 19.10.2011, 10.21 Uhr