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Guttenbergs Rücktritt Ein Minister zieht die Reißleine

In der Plagiats-Affäre um seine Doktorarbeit hat Verteidigungsminister zu Guttenberg die Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Er habe die Grenze seiner Kräfte erreicht, sagte er zur Begründung. Der Rücktritt kommt überraschend und irgendwie doch nicht.

Bildleiste von Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg

Karl Theodor zu Guttenberg - Bilder eines Rücktritts

"Wenn er diese Faschingstage politisch übersteht, dann ist die Sache ausgestanden." Das sei noch kurz vor Guttenbergs Rücktritt die allgemeine Einschätzung im Berliner Politikbetrieb gewesen, sagt SWR Hauptstadt-Korrespondent Frank Wahlig. Doch offenbar habe der Minister dem medialen Druck, der seit Wochen auf ihm lastete, nicht länger standhalten können. "Der Mann konnte nicht mehr, da war die mediale Empörung einfach zu groß. Sowas hat er nicht erwartet", so Wahlig. Die Diskussion, die über die Causa Guttenberg geführt wurde, sei von einer "ungeheuren Boshaftigkeit und Giftigkeit gewesen". Das sei selbst im Ausland zur Kenntnis genommen worden.

Ein Akademiker ohne akademischen Rückhalt

Doch es sei nicht nur die Häme und der raue Ton in Medien und in politischen Debatten gewesen, die den Minister letztlich zum Rücktritt bewegt hätten: Die laute Kritik aus der Wissenschaft spiele eine mindestens genauso große Rolle. Auch, dass sich Guttenbergs Doktorvater, mit dem er über Jahre ein sehr persönliches Verhältnis hatte, enttäuscht abgewandt hat. Wahlig: "Es gibt diesen "Eros der Wissenschaft" zwischen Professoren und Doktoranden. Das kann ein ganz enges Verhältnis sein." Und dieses Verhältnis sei nun zerstört worden.

Ein schwieriges Erbe für jeden Nachfolger

Bundeskanzlerin Merkel erreichte die Nachricht bei ihrem Rundgang auf der CeBIT. Es habe einen Anrufe gegeben und danach "machte dann eine nicht mehr ganz so fröhliche Kanzlerin ihren Rundgang", beschreibt Wahlig den Ablauf. Ob der Rücktritt Merkel beschädigt habe, könne man so ohne Weiteres nicht sagen. Und natürlich würde jetzt auch das große Spekulieren über die Nachfolge beginnen. "Guttenberg hat wirklich große Fußstapfen hinterlassen", sagt der SWR Hauptstadt-Korrespondent. "Eine Bundeswehr-Reform. Die Aussetzung der Wehrpflicht, Verkleinerung der Bundeswehr und auch eine Neustrukturierung des Wehrressorts." Ein Sparpaket, wie es sich keiner der Vorgänger-Minister hätte in einem Alptraum ausdenken können, meint Wahlig.

Doch wer kann diese Fußstapfen ausfüllen? Wahlig nennt als eine mögliche Kandidatin die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff - "eine sehr kluge Frau, die sowas könnte". Doch das würde zwangsläufig zu einer Kabinetts-Umbildung führen. Auch Frank Weise von der Bundesagentur für Arbeit ist nach Wahligs Ansicht eine personelle Option: Er habe an der Bundeswehrreform mitgearbeitet und könnte ein großes Haus führen. Doch das werde sich erst in den kommenden Tagen herauskristallisieren.


Ein politisches Stehaufmännchen?

Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Karl Theodor zu Guttenberg noch einmal auf der politischen Bühne zu sehen ist? Das sei durchaus möglich, sagt Wahlig. "Der Mann ist ehrgeizig, der hat eine Idee von Politik." Als Beispiel führt Wahlig den Grünen-Politiker Cem Özdemir an. Der sei wegen einer Affäre um Bonusmeilen auch zurückgetreten und sei jetzt wieder da. Das hänge aber auch davon ab, welche Unterstützung Guttenberg aus seiner Partei bekomme. Die Opposition habe jedenfalls über Monate vergeblich versucht, sich am Verteidigungsminister abzuarbeiten und einen "Kratzer in diese elegante und eloquente Politikerfigur zu bekommen", resümiert Wahlig. Erstaunlich, dass ihm jetzt seine eigene Doktorarbeit zum Verhängnis geworden sei.

Simone Lafos

Letzte Änderung am: 01.03.2011, 12.35 Uhr