Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Nach dem Rücktritt Guttenbergs schwaches Krisenmanagement

Verteidigungsminister zu Guttenberg ist aus Sicht des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen unprofessionell mit der Plagiatsaffäre umgegangen. Die "Salami-Taktik" des CSU-Politikers ging am Ende nicht auf, der Rücktritt war eine logische Folge.

Nach Meinung des Tübinger Medienwissenschaftlers Prof. Bernhard Pörksen hat Verteidigungsminister zu Guttenberg in der Debatte um seine Doktorarbeit neben dem eigentlichen Plagiatsskandal noch für einen zweiten gesorgt. Der betrifft die Art, wie Guttenberg mit der Krise umgegangen ist: "Zunächst hat er die Strategie der schlichten Leugnung gewählt. Dann folgte eine Art Salamitaktik, ein schrittweises Einräumen von Fehlern." Am schlimmsten findet Pörksen, dass Guttenberg immer noch sagt, er habe nicht bewusst getäuscht. Denn das kann der Tübinger Medienwissenschaftler "bei der Fülle von Nachweisen" nicht glauben. Der Medienwissenschaftler äußerte sich am Tag vor dem Rücktritt des Ministers im SWR-Interview.


"Das Skandalmanagement muss zum Image passen"

Pörksen hätte von Guttenberg ein Krisenmanagement im Stil von Margot Käßmann erwartet. Nachdem sie betrunken am Steuer erwischt worden war, ist sie von ihren kirchlichen Führungsämtern zurückgetreten, unter anderem als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche. Guttenberg hätte aus Sicht von Pörksen ähnliche Konsequenzen ziehen müssen.

Warum die Beliebtheitswerte von Guttenberg bis zum Schluss trotzdem kaum gelitten haben, erklärt Pörksen so: "Es gibt in der Gesellschaft eine pauschale Glorifizierung von Prominenz und eine übertriebene Hoffnung auf Charismatiker. Guttenberg verkörpert beides. Er ist der charismatische Prominente, der endlich für die Werte zu stehen scheint, die wir im politischen Betrieb oft so schmerzlich vermissen."

Chronologie der Plagiatsaffäre

zu Guttenberg spricht im Bundestag

16. Februar: Ein Bremer Juraprofessor bezeichnet in der "Süddeutschen Zeitung" mehrere Stellen in Guttenbergs Arbeit als "dreistes Plagiat". Am selben Tag weist Guttenberg den Vorwurf als "abstrus" zurück.
17. Februar: Die Universität Bayreuth fordert Guttenberg auf, innerhalb von zwei Wochen Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen.
18. Februar: Plagiatsjäger veröffentlichen im Internet immer mehr nicht zitierte Stellen in der Doktorarbeit. Guttenberg kündigt an, seinen Titel vorübergehend ruhen lassen.
21. Februar: Guttenberg kündigt bei einer Wahlkampfveranstaltung an, auf seinen Doktortitel dauerhaft zu verzichten.
23. Februar: Guttenberg räumt im Bundestag ein, er habe eine fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben. Er streitet ab, vorsätzlich abgeschrieben zu haben. Die Universität Bayreuth erkennt Guttenberg den Doktortitel ab.
01. März: Der Verteidigungsminister erklärt seinen Rücktritt.

Autorin: Solveig Merkel

Letzte Änderung am: 01.03.2011, 11.53 Uhr

Die Doktorarbeit von Verteidigungsminister zu Guttenberg Plagiatsaffäre "Es geht um geistigen Diebstahl"

Brachten deutsche Wissenschaftler den Verteidigungsminister am Ende zum Fall? In den vergangenen Tagen hatten sich viele Promovierende und Promovierte über die umstrittene Doktorarbeit zu Guttenbergs erregt. Ihr Vorwurf: Geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt. [mehr zu: "Es geht um geistigen Diebstahl"]