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Salz oder Ton oder Granit  Wo unser Atommüll am besten aufgehoben ist

Das Dutzend ist voll. Zum 12. Mal rollt ein Atommülltransport von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben. Aber Gorleben ist umstritten, es gibt große Zweifel, ob der Salzstock tatsächlich geeignet ist als Endlager für hochradioaktiven Müll. Und deshalb läuft die Suche nach Alternativen. Auch in Baden-Württemberg kommen mehrere Standorte in Betracht.

Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) haben ergeben: Auch Tongestein wäre geeignet, radioaktiven Müll aufzunehmen. "Wirtsgestein" heißt das in der Fachsprache. Hauptsächlich in der Region Norddeutschland habe die BGR Regionen gefunden, die Tonformationen in geeigneter Tiefe und Größe aufzeigen, erklärt Abteilungsleiter Dr. Volkmar Bräuer. "In Süddeutschland sind kleinere Gebiete mit dem sogenannten Opalinus-Ton ausgewiesen worden, der als mögliches Endlager für die Lagerung radioaktiver Abfälle untersucht wird." Opalinus-Ton kommt sowohl in der Schweiz vor (entlang der deutsch-schweizerischen Grenze) als auch in der Nähe von Konstanz und auf der Schwäbischen Alb, im Donautal zwischen Ulm und Riedlingen.

Hohe Risiken erfordern ausgeklügelte Tests

Die BGR überprüft nun Tonproben über Jahre hinweg intensiv. Dazu wird der Ton einem Druck von bis zu 100 Tonnen ausgesetzt, was einer Tiefe von 500 Metern entspricht. Gleichzeitig wird ein Gasdruck von 40 Bar aufgebaut. So wollen die Forscher herausbekommen, ob das Tongestein unter dem Druck Risse bildet und für Gase durchlässig wird - was in einem real existierenden Endlager niemals passieren darf.

Volkmar Bräuer: "Der Sinn dieser Labortests ist in erster Linie, dass man nicht nur die Felddaten zur Charakterisierung des Gesteins heranzieht. Wir wollen in Labortests ermitteln, wie sich das Gestein unter bestimmten Bedingungen verhält, die wir (im Feldversuch) nicht simulieren können." Dabei geht es den Forschern vor allem um die Langzeitsicherheit eines Endlager-Wirtsgesteins.

Das Für und Wider der drei Gesteinsfavoriten

Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben

Steinsalz isoliert gut. Das ist wichtig, weil radioaktive Abfälle Wärme entwickeln. Bislang konzentrieren sich Forscher bei ihren Untersuchungen vorrangig auf Steinsalz-Vorkommen. Laut BGR finden sich allein im norddeutschen Raum über 200 Gebiete mit ca. 250 Millionen Jahre alten Steinsalzformationen.

Opalinuston in der Schweiz

Für Ton als Wirtsgestein spricht die sehr geringe Durchlässigkeit und die Fähigkeit, Gase oder Dämpfe aufzunehmen und zu speichern. Tongesteinsformationen haben als abdeckende, dichte Schichten ihre langfristige Wirksamkeit als geologische Barriere nachgewiesen.

Finnland baut Endlager

Kristallingesteine, wie Granite, zeichnen sich besonders durch ihre hohe Festigkeit aus. Außerdem sind sie temperaturunempfindlich. Solange es sich um massives Gestein handelt ist die Durchlässigkeit meist sehr gering. Finnland setzt auf Stein, das erste Endlager Europas entsteht derzeit im Südwesten in 400 bis 500 Metern Tiefe.

Ton nur die zweite Wahl

Salzgestein sei grundsätzlich besser geeignet als Ton, so Volkmar Bräuer, weil es die Wärme der Fässer mit den abgebrannten Kernelementen effektiver ableite. "Zudem brauchen wir für die gleiche Menge Abfall, die wir im Salz einlagern, einen größeren Platz, ein größeres Volumen an Wirtsgestein Ton, um dort eine Temperatur von etwa 100 Grad nicht zu überschreiten." Das Ton-Endlager müsste also mindestens doppelt bis dreimal so viel Platz bieten wie ein Salzstock.

Als dritte mögliche Variante für ein Atommüllendlager kommen noch Kristallingesteine in Frage. Allerdings ist Granit ebenfalls ein schlechter Wärmeableiter und nicht unbedingt so dicht wie Ton und Salz. Alternativen zu Gorleben wären also vor allem im Norden Deutschlands zu suchen. Rheinland-Pfalz ist in dieser Frage aus dem Schneider.

Doris Bimmer

Letzte Änderung am: 03.11.2010, 10.20 Uhr