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Doping für's Hirn Das Geschäft mit den "Hör-Drogen"

Vergessen Sie alles, was Sie über Rauschmittel wissen: Ein neuer Trend macht vor allem im Internet Furore - so genannte "Hör-Drogen". Bestimmte Tonfrequenzen lösen beim Hörer angeblich Empfindungen bis hin zu rauschhaften Glückszuständen oder Alpträumen aus. Alles Humbug?

Nicht generell, sagt die Pariser Neurobiologin Brigitte Forgeot. Sie bedauert, dass das Prinzip dahinter auf eine Drogen-Ebene gezogen wird. "Es gibt wirklich eine nützliche Anwendung der Töne", sagt sie. Forgeot hat in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen, dass die Klänge tatsächlich eine Wirkung auf unser Gehirn und unseren Gemütszustand haben.


Anregendes für's Hirn

Werden in beide Ohren unterschiedliche Ton-Frequenzen geleitet, dann führe das - vereinfacht gesagt - dazu, dass sich unsere Gehirnhälften synchronisieren und "eigene" Wellen erzeugen, erklärt die Wissenschaftlerin. "Welche das sind, kann man mit der Wahl der Frequenzen beeinflussen." Forgeot nutzt solche Töne bei der Behandlung von hyperaktiven Kindern mit Konzentrationsstörungen. Während die Patienten malen oder Übungen machen, werden sie mit solchen "Alpha-Wellen" beschallt. Das soll die Kinder ruhiger machen.


Der Markt für "Hördrogen" boomt

Hirnströme auf einem Monitor

Nachweisbare Auswirkungen auf die Hirnströme

Rauschzustände, wie sie im Internet beschrieben werden, hält die Neurobiologin für Unsinn - das sei reine Geldmacherei. Die Downloads kosten zwischen zwei und 150 Euro und tragen Namen wie "Alkohol", "LSD" oder "Cocain" und es gibt sogar einen "Diät"-Sound, mit dem man angeblich abnehmen soll. Die Wissenschaftlerin winkt ab: Ganz empfindliche Menschen könnten sich möglicherweise lediglich in eine Art Trance versetzen. Und: jeder reagiert unterschiedlich auf bestimmte Tonfrequenzen, sagt Forgeot. Manchmal passiert auch gar nichts.


Entspannungshilfe der Zukunft?

Die Wissenschaftlerin glaubt, dass das Grund-Prinzip in Zukunft immer häufiger genutzt wird - vor allem zur Entspannung. "Dann kann man auf dem Weg nach Hause in der Metro schon ein bißchen relaxen, Schüler mit Prüfungsangst können besser entspannen", sagt sie. Doch wie findet man einen seriösen Anbieter für solche Sounds? Da hat Brigitte Forgeot einen einfachen Tipp: "Wer Wunder verspricht, lügt."

Simone Lafos, Evi Seibert

Letzte Änderung am: 17.09.2010, 13.08 Uhr

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