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Thilo Sarrazins Polemik mag man ablehnen. Doch eines muss man dem Mann lassen: Er schafft es, eine überfällige Debatte in Gang zu bringen. Der Politikberater und Publizist Prof. Klaus Kocks sagt: Mehr davon! Wir brauchen Provokation, um wach zu werden.
In unserer heutigen Medienrepublik funktionieren nur schrille Töne, davon ist Kocks überzeugt. Sarrazins radikale Thesen zu Ausländern und Integration seien eine gezielte Provokation. Er wage den Tabubruch. Aber erst so wird unsere Gesellschaft hellhörig: "Es sind die Tabuverletzungen, die uns wach machen. So funktioniert unsere Aufmerksamkeit."
Viele Aussagen in Sarrazins Buch kann der Politikberater nicht befürworten. "Was Sarrazin da macht, ist gefährlich. Das ist Grenzgängertum". Gleichzeitig bewundert Kocks Sarrazins Mut: "Er hält ein Streichholz an die Lunte des Pulverfasses." Damit wolle er keinen Bürgerkrieg anzetteln, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung anstoßen.
Das findet der Politikberater erfrischend, angesichts "einer feigen politischen Klasse, die das Thema verdrängt. Dieses tägliche Austeilen von Schlaf- und Beruhigungstabletten durch das Kabinett Merkel bewegt in diesem Land nichts." Die Aufregung um Sarrazins Buch hält Klaus Kocks für wichtig: "Die Republik schiebt solche Themen wie die Integration von Ausländern gleichgültig auf die Seite. Das ändert sich durch einen solchen Skandal." Allerdings könne das nur die Initialzündung sein: "Was man hoffen muss ist, dass die Auseinandersetzung danach wieder zu zivilen Töne zurückfindet."
Hintergrund:
Schon als Berliner Finanzsenator sorgte Thilo Sarrazin für Aufsehen, z.B. mit einem Muster-Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger. Dieses Mal hat der heutige Bundesbank-Vorstand mit seinem aktuellen Buch "Deutschland schafft sich ab" Proteste ausgelöst. In dem Buch äußert er sich u.a. über die mangelnde Integrationsbereitschaft von Ausländern.
Solveig Merkel
Letzte Änderung am: 26.08.2010, 13.21 Uhr