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Islamkonferenz Zum Scheitern verurteilt?

Die Deutsche Islamkonferenz droht, zum Debattierclub zu verkommen. Themen seien falsch gesetzt, drängende Probleme nicht gelöst, so der Vorwurf der Kritiker. Wenn Bundesinnenminister de Maizière keine deutlichen Signale setze, könnte die Konferenz sogar endgültig scheitern.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble bleibe der derzeitige Innenminister viel zu vage, kritisiert Reinhard Baumgarten aus der SWR-Redaktion Religion, Kirche, Gesellschaft. Jetzt, bei der zweiten Runde der Deutschen Islamkonferenz wäre die Gelegenheit, Schäubles Vorschläge konkret umzusetzen und praktische Hindernisse anzugehen.

Die Deutsche Islamkonferenz wurde vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble 2006 zum ersten Mal einberufen. Mit der Konferenz will die Bundesregierung den Dialog mit den Muslimen in Deutschland fördern und deren Integration verbessern. Am Montag ist die Konferenz unter der Leitung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière in die zweite Phase gestartet.

Der damalige Innenminister empfahl am Ende der ersten Runde der Islamkonferenz beispielsweise, flächendeckend Islamunterricht einzuführen und an deutschen Hochschulen Imame sowie islamische Lehrer auszubilden. Er habe damit Dinge erreicht, die man vorher nicht mal zu formulieren gewagt habe, meint Reinhard Baumgarten. "Inzwischen gibt es Angebote aus Bundesländern, muslimische Lehrstühle einzurichten und entsprechende Fakultäten zu schaffen." Doch es brauche auch ein Signal vom Bundesinnenministerium, dass es die Länder politisch, vielleicht sogar finanziell unterstütze.

Überflüssiges wird diskutiert, Wichtiges vernachlässigt

Die Islamkonferenz ist am Montag unter denkbar schlechten Voraussetzungen in die zweite Runde gestartet. Einige muslimische Verbände erteilten der Konferenz eine Absage. Der Zentralrat der Muslime blieb dem Treffen fern unter anderem mit der Begründung, dass das Thema Islamfeindlichkeit nicht angemessen behandelt werde.

Stattdessen stehen andere Themen auf der Agenda, die SWR-Gesellschaftsredakteur Reinhard Baumgarten überflüssig erscheinen: "Muss denn beispielsweise so ausführlich über die Gleichberechtigung von Mann und Frau diskutiert werden? In Deutschland gibt es Gesetze zur Gleichberechtigung von Mann und Frau. Egal ob ich Jude, Buddhist, Muslim, Christ oder Atheist bin: Ich habe mich an diese Gesetze zu halten."

Reinhard Baumgarten

Reinhard Baumgarten

Vor diesem Hintergrund haben viele Menschen die Hoffnung aufgegeben, dass die zweite Runde der Islamkonferenz konkrete Ergebnisse bringt. Reinhard Baumgarten warnt: "Diese Runde könnte die gesamte Islamkonferenz zum Scheitern bringen, wenn alles zu vage bleibt. Ich wünsche mir gerade vom Innenminister, dass deutlichere Signale kommen."


Reinhard Baumgarten, Solveig Merkel

Letzte Änderung am: 17.05.2010, 12.18 Uhr