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Schlagloch-Alarm A5 - Nerventest für Autofahrer

Autofahrer brauchen auf der A5 weiter gute Nerven: Auf einer 60 Kilometer langen Strecke zwischen Baden-Baden und Lahr müssen wieder Straßenschäden ausgebessert werden. Einzelne Fahrbahnen sind gesperrt. Außerdem behindern Schlaglöcher auf den befahrbaren Strecken den Verkehr.


Im SWR-Interview sprach der Transport- und Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen Klartext: Das Beheben der Schlaglöcher sei naheliegend, aber es löse das Problem nicht: "Die Historie zeigt, dass diese Reparaturen nicht von langer Dauer sind."

Schuld ist das Wetter - und das Material

Zwischen Offenburg und Lahr Richtung Süden steht am Wochenende zeitweise nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Der Abschnitt zwischen Appenweier und Offenburg Richtung Süden ist bis 21. Mai nur einspurig befahrbar.

Von offizieller Seite wird das Wetter für die schlechten Fahrbahnen verantwortlich gemacht: Zunächst lassen die starken Temperaturunterschiede den Straßenbelag aufreißen. Wenn es dann so heftig regnet wie in den vergangenen Tagen, wird das lose Material aus den Hohlräumen herausgewaschen. Diese Erklärung lässt der Experte nicht so ohne Weiteres gelten: "Der Fahrbahnbelag sollte auch heftige Regenschauer aushalten", sagt Schreckenberg. Er führt die Schäden auf mangelhaftes Material zurück. Im Blick stehen dabei die privaten Baufirmen, an die der Bund die Ausbesserungs-Aufträge vergibt.

Prognose: Die A5 wird zur Dauerbaustelle

Geradezu heraufbeschworen wird die Sparwut von privaten Baufirmen durch die Politik: Pro Tag, den ein Unternehmen bei seinen Arbeiten einspart, bekommt es vom Staat eine Belohung in Höhe von 15.000 Euro. Schreckenberg fordert auch deshalb genauere Qualitätsprüfungen und strengere Vorgaben für die Haltbarkeit des Baumaterials.

So wie die Baumaßnahmen im Moment durchgeführt würden, sollten sich die Verkehrsteilnehmer auf eine "Dauerbaustelle" auf der A5 einstellen, sagt Schreckenberg. Der Fachmann befürchtet, dass das Schlagloch-Problem auf der A5 mit "Flickschusterei" nicht zu beheben ist, weil immer wieder neue Stellen ausgebessert werden müssen. "Am Ende hilft dann nur noch eine Grundsanierung", ist Schreckenberg überzeugt.

So entstehen Schlaglöcher

Erst kommt der Frost: Wasser dehnt sich aus, wenn es gefriert. Eis braucht ungefähr neun Prozent mehr Platz als das Wasser, aus dem es entstanden ist. Dringt also Wasser in den Asphalt ein und gefriert, entsteht hoher Druck, den der Asphalt oder Beton nur noch bedingt aushalten.

Dann kommt der Saugeffekt: Nachdem das Eis entstanden ist, verringert sich der Druck in der verbleibenden Flüssigkeit im Boden. Dadurch wird weiteres Wasser nach oben gesaugt, die Eislinse im Straßenbelag wird immer größer. Es ist also nicht nur die Ausdehnung, sondern auch der Saugeffekt, der dazu führt, dass sich die Asphaltdecke hebt und ein Schaden entsteht.

Dann kommen die Autos: Der Belag steht unter Druck. Wenn jetzt ein Fahrzeug darüber fährt, platzt die Straßendecke auf. Hinzu kommt, dass der Asphalt ohnehin bei Kälte spröder ist, als im Sommer.

Der Sargnagel für die Straße: Ständige Wetterwechsel. Setzt Tauwetter ein, ist der Unterbau der Straße mit Wasser vollgesogen, wie ein nasser Schwamm. Wenn ein Auto mit seinem ganzen Gewicht drüber fährt, drückt es diese Flüssigkeit zur Seite. Damit baut sich von unten wieder Druck auf die Fahrbahndecke auf. Schon entsteht ein neuer Riss (Alle Informationen: Werner Eckert, SWR-Umweltredaktion).

Überforderung für Autofahrer

Prof. Schreckenberg

Michael Schreckenberg

Der Transport- und Verkehrsexperte kritisiert auch die Art der Baustellenführung. Anstatt kurzfristig kleine Abschnitte zu sperren, werden Fahrspuren kilometerweit blockiert. Damit sparen die Baufirmen Geld – für die Autofahrer aber sei das die denkbar schlechteste Lösung, so Schreckenberg. "Das Fahren auf verengten Spuren in einem Baustellenbereich ist sehr anstrengend und überfordert viele Fahrer schlichtweg."


Rebecca Müller

Letzte Änderung am: 14.05.2010, 15.24 Uhr