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Warum sich die Kirche mit Aufklärung so schwer tut
Aufarbeitung positiv - Ursachenforschung negativ. So lassen sich die Reaktionen der katholischen Kirche auf die Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester zusammenfassen. Denn es fehlt die Bereitschaft, die eigene Sexualmoral zu überdenken.

Während beispielsweise der Augsburger Bischof Walter Mixa die sexuelle Revolution für Entgleisungen verantwortlich macht, verweisen seine Kritiker darauf, dass der Zölibat und eine verkrampfte Sexualmoral pädophilen Übergriffen Vorschub leistet. Wer hat Recht?
Schon relativ früh, spätestens mit dem Ende der Pubertät, steht fest, ob ein Mensch pädophile Neigungen hat. Das sagt Jörg Vins von der SWR-Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft und beruft sich dabei unter anderem auf Untersuchungen der Berliner Charité.
"Es gibt keinen einzigen bekannten Fall, bei dem jemand pädophil wird, weil er seine Sexualität nicht auslebt oder weil er mit mehreren anderen ehelos Lebenden zusammenlebt." Das bedeutet: Priesterliche Ehelosigkeit verursacht keine pädophilen Neigungen, mit der Abschaffung des Zölibats würde kein Fall von Kindesmissbrauch verhindert. Oft sind Pädophile selbst Opfer von Missbrauch und Demütigung durch Eltern, Lehrer und Mitschüler gewesen.

Sprach sich schon mal gegen Denkverbote beim Zölibat aus: Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch
Die Kirche steht vor einem Dilemma: "Sie bewertet die Nichtausübung von Sexualität bei Priestern und Ordensleuten sehr positiv. Dadurch gerät sie in Verdacht, die Ehe und die Sexualität als etwas Minderwertiges abzuwerten", sagt Jörg Vins. Da Sexualität aus katholischer Sicht ausschließlich in der Ehe ihren Platz hat, "sind Phänomene wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung oder Homosexualität moralisch bedenklich oder gar Sünde." Deshalb kann ein katholischer Priester kein natürliches Verhältnis zu Sexualität entwickeln: "Wenn die sexuelle Beziehung eines Priesters zu einer Frau oder zu einem Mann den Geruch der Verfehlung hat, wenn einem als Kleriker die sexuelle Potenz nicht als Bereicherung, sondern nur als Behinderung vorkommen darf, dann ist ein lockerer Umgang mit dem Thema Sex nur schwer möglich und es endet meist im Krampf."
Die Deutsche Bischofskonferenz hat Ende Februar bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Freiburg eine Erklärung zu den jüngsten Missbrauchsvorwürfen verabschiedet. Sie setzte unter anderem den Trierer Stephan Bischof Ackermann als Sonderbeauftragten für Missbrauchsfälle ein. Zudem hat sie eine bundesweite Hotline angekündigt und will die kircheninternen Richtlinien überarbeiten.
Jetzt hat die katholische Kirche außerdem angekündigt, dass sie sich an dem Runden Tisch beteiligen will, den Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vorgeschlagen hat. Unter anderem mit Schul- und Internatsträgern, Lehrer- und Familienverbänden sollen Antworten gefunden werden, wie Missbrauchsopfern geholfen werden kann und wie in Zukunft sexuelle Übergriffe verhindert werden.
Letzte Änderung am: 09.03.2010, 13.44 Uhr