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Der Winter ist hart. Und er wird zu hart für viele Straßen. Der ADAC rechnet mit einem Schlaglochrekord. Jede zweite Straße könnte beschädigt sein. Die Reparatur wird die Kommunen teuer zu stehen kommen. Und auch gerade reparierte Straßen verwandeln sich schon wieder in Schlaglochpisten.

Trotz Komplettsanierung sind neue Schlaglöcher auf der A5 südlich von Karlsruhe
"Bei einem neuen Straßenbelag darf das nicht passieren", sagt Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE). Doch auf der Autobahn 5 zwischen Karlsruhe und Baden-Baden sind trotz einer monatelangen Komplettsanierung schon wieder neue Schlaglöcher entstanden. Schnelles Handeln der Verantwortlich sei deshalb gefragt. Es müsse geklärt werden, ob Baufehler passiert sind. Dafür müsse das Unternehmen haften, denn "es kann ja nicht sein, dass unsere Steuergelder so verbaut werden, dass nur noch Fehler zu besichtigen sind. Das ist nicht in Ordnung."
Experten sind sich allerdings einig, dass die Komplettsanierung der bessere Weg ist, um eine marode Straße von Grund auf zu erneuern. Allerdings können sich viele Kommunen die Kosten dafür nicht mehr leisten. Deshalb stellen sich die klammen Kämmerer die Frage: Löcher stopfen oder komplett sanieren? Oft fällt die Entscheidung für die billigere Lösung. Doch davon hält Wolfram Ressel, Institutsleiter am Lehrstuhl für Straßenplanung und Straßenbau an der Universität Stuttgart, wenig: Mit dem notdürftigen Stopfen der Löcher werde kurzfristig die Verkehrssicherheit wieder hergestellt. "Das hält aber nicht lange, weil sich die Stoffe nicht miteinander verbinden können. Das wird spätestens im nächsten Winter wieder aufbrechen."
Die Deckschicht (das ist die Verschleißschicht an der Oberfläche der Straße) liegt heute oft länger, als sie liegen sollte. Wolfram Ressel: "Zum Beispiel wenn eine Deckschicht 12 oder 15 Jahre halten soll, dauert es oft 18 oder 20 Jahre, bis sie abgefräst wird oder eine neue Schicht draufkommt." Diese Beläge sind dann oft "am Ende ihrer Lebenszeit und damit verletzungsanfälliger". Eine bezahlbare Lösung sieht der Experte nicht. Den Kommunen fehlten meist die finanziellen Mittel, um diese Probleme flächendeckend zu beheben. "Sie haben nur Teilbeträge des Geldes und können dann eben nur Teile der Straßenanlagen mit neuen Belägen instand setzen." Der Rest wird "geflickt".
Doch auch das provisorische Stopfen der Löcher kommt die Städte, Gemeinden und Kreise jetzt teuer zu stehen. SWR-Umweltredakteur Werner Eckert erklärt das so: "Strenger Dauerfrost ist gar nicht so schlimm für die Straßen. Richtig gefährlich ist ein Wechsel zwischen Frost- und Tauwetter." Den Autofahrern bleibt angesichts der vielen Schlaglöcher nichts anderes übrig, als vorsichtig zu fahren und sich an Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten. Denn nur selten haften Stadt, Kreis oder das Land für Schäden am Fahrzeug, wie SWR-Rechtsredakteur Martin Roeber berichtet.

Wolfram Ressel
An der Universität Stuttgart werden neue Beläge erprobt - ein schlagloch-resistenter war noch nicht dabei. Wolfram Ressel: "Wir haben aber die Möglichkeit, Baustoffe und Werkstoffe zu nutzen, die besser funktionieren. Zum Beispiel hochwertige Splitte." Die sind aber auch teurer. Langweilig wird den Forschern nicht, schließlich müssen sie bald auch ein neues Bindemittel für den Straßenbau entwickeln. Bisher wird meist mit Bitumen gearbeitet. Aber das wird aus Erdöl gewonnen, steht also irgendwann nicht mehr zur Verfügung.
Andreas Braun, Andreas Böhnisch, Werner Eckert (SWR Umwelt und Ernährung)
Letzte Änderung am: 30.12.2010, 10.34 Uhr