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Glanz und Glamour in Berlin bis zum 21. Februar. Stars und Filmbranche feiern sich auf der 60. Berlinale. 20 Filme sind im Wettbewerb vertreten. Die Berlinale war schon immer ein besonderes Festival. Denn in den Zeiten des Kalten Krieges hat sie Brücken gebaut.
Der Mauerbau am 13. August 1961 war ein Schock für die Menschen in Berlin. Familien wurden auseinander gerissen, auf politischer Ebene herrschte Funkstille. Natürlich war von der Teilung auch die Berlinale betroffen, sagt SWR-Filmexperte Herbert Spaich. "Das war 1961 eine schwierige Situation, als auf einmal zigtausende Besucher aus dem Ostteil der Stadt wegblieben." Doch die Filmschaffenden ließen den Kontakt in die damalige DDR nicht abreißen.
Lange bevor das deutsch-deutsche Tauwetter auf politischer Ebene einsetzte, praktizierte die Berlinale einen kleinen Grenzverkehr. "Kulturfunktionäre aus der DDR waren immer - mehr oder weniger inkognito - in West-Berlin auf der Berlinale zu Gast. Über menschliche, kleine Kanäle wurde ab den 1960er Jahren schon gesamtdeutsche Kulturpolitik gemacht", so Herbert Spaich. "Und deshalb hatte die Berlinale auch politischen Einfluss. Sie war die erste Institution, die dazu beigetragen hat, Kontakte zwischen den beiden deutschen Staaten aufrechtzuerhalten."
Wolfgang Kohlhaase ist Drehbuchautor aus Ost-Berlin. Schon zu DDR-Zeiten schrieb er Filmskripte für den westdeutschen Regisseur Bernhard Wicki. Diese Zusammenarbeit habe es Kohlhaase nach der Wende leicht gemacht, seine Karriere ohne Brüche fortzusetzen, sagt SWR-Filmexperte Herbert Spaich. Koolhaase verfasste zum Beispiel das Drehbuch für den Film "Sommer vorm Balkon". Regie führte Andreas Dresen. Der Film kam 2005 in die Kinos.
Der deutsch-deutsche Austausch im Bereich des Films hat Früchte getragen. Ein Beispiel ist "Die Grünstein-Variante" aus dem Jahr 1984. Regie führte der Westdeutsche Bernhard Wicki; das Drehbuch stammte von dem Ostdeutschen Wolfgang Kohlhaase. Obwohl es sich um eine Produktion der Bundesrepublik handelt, wurde der Film in wesentlichen Teilen mit Unterstützung der DDR hergestellt. "Da hat die Berlinale einen ganz großen Anteil daran, dass so ein bisschen Gemeinsamkeit trotz der Mauer aufrecht erhalten wurde", sagt SWR-Filmexperte Herbert Spaich.
Die große Stunde schlug für die Berlinale nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Auch nach diesem historischen Moment blieb sich das Festival als gesamtdeutsche politische Institution treu, erinnert sich Herbert Spaich: "Schon im Februar 1990 hat die Berlinale "Gesamt-Berliner" Filmfestspiele gemacht und sämtliche Filme, die bisher nur im Westen gezeigt wurden, auch im Osten gezeigt." Jetzt zahlte es sich aus, dass die Kontakte auch während der 28 Jahre andauernden Teilung der Stadt nicht abgebrochen waren. Für Herbert Spaich ist das der Reiz, den die Filmfestspiele ausmachen: "Das zeigt bis heute das Vitale der Berlinale - deshalb ist sie für mich immer noch mein liebstes großes Filmfestival."
Andreas Böhnisch, Herbert Spaich
Letzte Änderung am: 11.02.2010, 10.56 Uhr