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Geothermie ist eine praktische Energiequelle: Das Wärmereservoir in der Erdkruste ist schier unerschöpflich. Und mit Erdwärmesonden lässt sich prima heizen. Die Schattenseite dieser Energiegewinnung bekommt seit drei Jahren das südbadische Staufen zu spüren. Durch Erdhebungen sind hier mehr als 200 Gebäude beschädigt.
Große Risse in Häusern im südbadischen Staufen. Mehrere Erdbeben im pfälzischen Landau. Das sind Ereignisse, die viele Menschen skeptisch fragen lassen: Wie sicher ist die Geothermie?
Nach den Erdbeben in Landau im vergangenen Jahr machten sich viele Anwohner Sorgen – verständlich, sagt SWR-Umweltredakteur Axel Weiß. "Wenn ich ein Haus in der Nähe eines Kraftwerks hätte, fände ich so etwas auch gravierend. Im Vergleich zur Nukleartechnologie ist die Geothermie aber immer noch die deutlich harmlosere Variante." Zumal es sich bei diesen Erschütterungen immer um sehr leichte Erdbeben gehandelt hat. Es sei nicht zu erwarten, dass in ähnlichen Fällen Häuser einstürzen, ist der Umweltredakteur sicher.

Riss in einer Hauswand in Staufen
Der Fall Staufen ist dagegen so etwas wie der Größte Anzunehmende Unfall in der oberflächennahen Geothermie. Doch offenbar wurden in der südbadischen Stadt Regeln nicht eingehalten, sagt Axel Weiß: "In Staufen wurde eine Verbindung zwischen zwei geologischen Schichten geschaffen, was nicht hätte passieren dürfen. Dadurch gelangte Wasser in Bereiche, in die es nicht reingehört, da sich diese Gesteinsschichten sofort mit Wasser verbinden und aufquellen" – mit den bekannten Folgen für die über 200 Gebäude in Staufen.
Stichwort Geothermie:
99 Prozent der Erde sind heißer als 1000 Grad. Direkt unter unseren Füßen schlummert ein gewaltiges, nahezu unerschöpfliches Energiepotential. In Zukunft könnten mit Erdwärme in weiten Teilen Deutschlands Wohnungen geheizt und mit Strom versorgt werden. Einige Experten sehen in der "Geothermie" sogar die Energiequelle der Zukunft: Absolut umwelt- und klimafreundlich, sowie unabhängig von Jahreszeit und Wetter verfügbar. (Quelle: planet-wissen.de)
SWR-Umweltredakteur Axel Weiß, ist überzeugt: "Das Verhältnis der Bohrungen, bei denen alles gut geht, zu Problemfällen wie in Staufen, ist zu günstig, um dem Image dieser Energieform ernsthaft zu schaden". Mehr als 100.000 geothermische Anlagen gibt es in Deutschland mittlerweile und nur wenige Problemfälle. Axel Weiß erklärt, wie die oberflächennahe Geothermie funktioniert: "Dabei wird der Temperaturunterschied zwischen der Erde in bis zu 200 Meter Tiefe und der Oberfläche ausgenutzt. Mit einer Leitung wird eine Flüssigkeit durch die Erde nach unten gepumpt, mit einer zweiten wieder hochgeholt. Mit einer Wärmepumpe wird der Energieunterschied zwischen kaltem und warmem Wasser dann ausgenutzt, um zu heizen oder zu kühlen. Eigentlich eine sehr elegante Sache. Mit einem eingesetzten Kilowatt lassen sich vier Kilowatt Energie gewinnen."
Andreas Braun, Axel Weiß
Letzte Änderung am: 08.11.2010, 12.03 Uhr