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Zeichen der Toleranz Muslimischer Feiertag für alle?

Christliche Kinder, die sich auf das Ende des Ramadan freuen. Das wünscht sich die Türkische Gemeinde in Deutschland. Ihr Vorschlag: An einem muslimischen Feiertag im Jahr haben künftig alle deutschen Kinder schulfrei.

Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, spricht von einem Zeichen der Toleranz. Schließlich wünschten sich türkische Kinder im Dezember zu Hause auch einen Weihnachtsbaum. "Das lehnen strenggläubige türkische Eltern zwar ab, stellen dann aber trotzdem einen auf." Kolats Fazit: Die deutsche Gesellschaft müsse sich auf die Zuwanderer einlassen.

Schulen im Südwesten sind kulant

Cüneyt Özadali ist Mitarbeiter der SWR-International-Redaktion in Stuttgart und selbst Muslim. Seine schulpflichtige Tochter bekommt zum Opfer- oder Ramadanfest jetzt schon schulfrei. Özadali hat festgestellt, dass "die Schulbehörden hier auch Feiertage von Andersgläubigen tolerieren." Er erklärt den Vorstoß der türkischen Gemeinde so: "Kenan Kolat will, dass man an einem Tag im Jahr symbolisch zeigt, dass die Muslime hier angekommen sind." Für viele Muslime wäre es ein gutes Zeichen, wenn sie ihre wichtigsten Feste gemeinsam mit den Deutschen feiern könnten, "dass die sogenannte deutsche Aufnahmegesellschaft mitmacht und teilnimmt."

Alte Probleme lösen, dann neue Feiertage einführen

Baustelle Islamunterricht: Auch hier ist Deutschland von einer Normalität im Umgang mit den vielen muslimischen Migranten weit entfernt. Immerhin werden in Baden-Württemberg seit drei Jahren entsprechende Schulversuche durchgeführt, mehrere Pädagogische Hochschulen bieten einen Studiengang "Islamische Religionspädagogik" an. In Rheinland-Pfalz wird Islamunterricht in Mainz und Ludwigshafen erprobt.

Cüneyt Özadali hält nichts davon, einfach "von oben" einen neuen Feiertag einzuführen. Zwar werde sich jedes Kind über einen schulfreien Tag freuen, "ich glaube aber nicht, dass die Menschen sich an so einem Tag bewusst machen, dass in Deutschland vier Millionen Muslime leben und Toleranz eine wichtige Sache ist." Der SWR-International-Redakteur freut sich, dass ein Vorschlag wie der von Kenan Kolat nicht mehr mit Polemik vom Tisch gefegt, sondern ernsthaft diskutiert wird: "Seit Jahren haben wir in Deutschland einen regen Dialog zwischen Christen und Muslimen, es gibt auch die Islamkonferenz. Das ist wichtig, weil die Realität Islam hier angekommen ist. Die Muslime bleiben hier, das hier ist ihr Lebensmittelpunkt."

Jetzt müsse man gemeinsam Probleme lösen, "zum Beispiel über den Bau von Moscheen und den islamischen Religionsunterricht." Özadali findet: "Bevor man einen islamischen Feiertag einführt, sollte man erst einmal die Frage nach Islamunterricht an den Schulen beantworten, oder nach Gebetsräumen für Muslimen. Man redet und redet, aber etwas Konkretes kommt nicht dabei heraus." Vielleicht macht deshalb am Ende der Vorschlag der Türkischen Gemeinde in Deutschland doch wieder Sinn: Als ein Ansatz, den Dialog zwischen Muslimen und Christen wieder zu vertiefen und gemeinsame Lösungen zu finden.


Andreas Braun, Cüneyt Özadali

Letzte Änderung am: 08.12.2009, 16.15 Uhr

Kenan Kolat Kenan Kolat Vorsitzender der Türkischen Gemeinde

"Ich fände es gut, wenn man an einem Tag, etwa dem muslimischen Opferfest zum Ende des Ramadans, allen Kindern frei gibt", sagt Kenan Kolat in einem Zeitungsinterview. Dies wäre ein "Zeichen der Toleranz".