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Zahl der Einbrüche in Rheinland-Pfalz steigt Wenn die Kirche zum Tatort wird

Selbst vor Gotteshäusern machen Einbrecher nicht Halt. Und das immer häufiger. Meist erbeuten die Diebe keine wertvollen Kunstschätze, sondern Kleinkram. Aber das ist nicht das Schlimmste.

Der saubere Innenraum der Kirche Sankt Georg in Nieder-Olm

Die Diebe haben es meist auf Bargeld aus dem Opferstock abgesehen (Symbolbild)

Die Zahl der Einbrüche in Kirchen in Rheinland-Pfalz geht nach oben. Im Vergleich der Jahre 2011 und 2015 sei bei schweren Fällen eine Zunahme um 51,1 Prozent auf 142 Fälle zu verzeichnen, teilte das Landeskriminalamt (LKA) mit. Die Gesamtzahl der Fälle lag 2011 bei 188 und stieg seitdem kontinuierlich an. 2013 waren es 210 Fälle, im vergangenen Jahr wurden 284 registriert. "Zielrichtung war überwiegend die Erlangung von Bargeld und vergleichsweise gering die Erlangung sakraler oder anderer Gegenstände", teilte das LKA mit.

Die Diebe fingern nach Geld im Opferstock, lassen Mikrofone und Kerzenständer vom Altar mitgehen oder auch mal eine Kiste Messwein. Manchmal sind es Einzeltäter, manchmal Banden. Mal wird in einer einzigen Kirche eingebrochen, mal zieht sich ein Beutezug durch mehrere Gotteshäuser.

Kirchen rüsten sich gegen Diebe

"Es gibt Kirchen, die aufpassen", sagte Lutz Dettmer vom Ecclesia Versicherungsdienst. Das Unternehmen aus Detmold betreut evangelische Einrichtungen ebenso wie katholische Bistümer. "Wer einbricht, ist kein Kunsträuber, sondern will Bargeld haben. Da kommt der Opferstock gerade recht." Diese sind in Kirchen meist fest verankert und mit einem Metallbügel samt Hängeschloss gesichert. Einige Gemeinden seien präventiv tätig geworden und hätten Gegenstände in den Kirchengebäuden abgeräumt.

Vor wenigen Monaten stahlen Einbrecher in einer katholischen Kirche in Knopp-Labach (Landkreis Südwestpfalz) Messkelche und Hostienschalen, auch eine Spendenkasse wurde zur Beute. Zwei Monate zuvor ließen Einbrecher in einer katholischen Kirche in Kaiserslautern nachts einen Kelch mitgehen. Im angrenzenden Pfarrhaus wurden mehrere Türen aufgebrochen, aber offenbar nichts von Wert gefunden.

Das Bistum Trier - das größte in Rheinland-Pfalz - verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt 19 Einbrüche und Einbruchsversuche in Kirchen sowie Pfarr- oder Gemeindehäusern mit einem Schaden von rund 17.000 Euro. 2014 waren es 16 Taten mit einem Schaden von rund 24.000 Euro. Wie das Bistum mitteilte, seien vor allem Bargeld aus den Opferstöcken und Laptops entwendet worden.

Schadenssumme oft höher als die Beute

Doch oft ist der Diebstahl nicht das Schlimmste. Es sind die Schäden, die die Einbrecher hinterlassen. Die Reparatur von aufgebrochenen Türen und Fenstern steht dabei an erster Stelle. "Den größten Posten stellte mit etwa 5.000 Euro in einer Frankfurter Gemeinde der Raub von Schlüsseln dar, da anschließend die gesamte Schließanlage erneuert werden musste", teilte Volker Rahn mit, Sprecher der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Zu ihrem Gebiet gehört auch ein Teil von Rheinland-Pfalz.

Dennoch wollen viele Pfarrgemeinden ihre Kirche für Besucher geöffnet halten. "Wir sagen ganz bewusst, Kirchen sollten offen bleiben", unterstrich Tobias Blum, Sprecher des Bistums Mainz. Nicht immer funktioniert das. Von den fünf Kirchen in Ingelheim haben die Katholiken nur vier geöffnet. St. Remigius werde videoüberwacht, "um Diebstahl und Vandalismus vorzubeugen", sagte Gemeindereferent Jürgen Heckmann.

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