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Kinderfotos im Internet Kaum geboren, schon online

"Fabian ist endlich da!", "Lena braucht keine Windel mehr" oder "Marie kann nicht genug vom Meer bekommen": Immer mehr Eltern posten Fotos ihrer Kinder im Netz. Dürfen die das?

Baby

Elternglück - real und häufig auch digital im Netz

Über Kinderbilder im Internet wird heftig diskutiert. Während die einen nahezu alle Fortschritte ihres Nachwuchses mit dem World Wide Web teilen, sprechen sich die anderen vehement gegen jede Veröffentlichung von Kinderfotos aus.

Wer darf Kinderbilder posten?

Rechtlich gesehen, haben Eltern minderjähriger Kinder freie Hand beim Posten von Fotos im Netz. Sie vertreten ihren Nachwuchs, solange der noch keine Einsichtsfähigkeit hat und noch nicht geschäftsfähig ist, erklärt der Mainzer Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Karsten Gulden. Das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die mit der Veröffentlichung des Fotos im Internet verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es mitentscheiden. "Das ist in der Regel ab 14 Jahren der Fall", sagt Gulden.

Recht am eigenen Bild:
"Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden."
(§ 22 Kunsturhebergesetz)

Sind sich Vater und Mutter nicht einig, muss gegebenenfalls das Familiengericht entscheiden. Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, darf der andere Elternteil keine Fotos von Sohn oder Tochter posten, wenn der Sorgeberechtigte damit nicht einverstanden ist.

Mobbing und Missbrauch

Kind auf Töpfchen

Kinderfotos können zum "gefundenen Fressen" für Klassenkameraden werden.

Man könne nur an die Eltern appellieren, Bilder ihrer Kinder mit "sehr viel Vorsicht und Bedacht" zu veröffentlichen, sagt Medienrechts-Anwalt Tobias Röttger aus Mainz: "Was manche Eltern süß und lustig finden, kann für das Kind nur peinlich sein." Fotos vom Wickeltisch oder aus dem Planschbecken könnten noch Jahre später zum "gefundenen Fressen" für Klassenkameraden werden.

Und wenn die Bilder in falsche Hände geraten? Wer ein Foto auf Facebook postet, macht es einem großen Kreis zugänglich - sind keine entsprechende Vorkehrungen in den Privatsphäre-Einstellungen getroffen, gar allen Nutzern. Pädophile könnten sich dann an den Bildern bedienen, oder die Fotos finden sich auf dubiosen Facebook-Seiten wieder, die beispielsweise "Hot teen girls" promoten.

"Eltern schmücken sich mit ihren Kindern"

Screenshot "Baby erwartet" von facebook.de

Schon Ungeborene können bei Facebook aktenkundig werden (Screenshot).

"Ich halte es bei dem Tipp: Sag nichts im Social Web, das du nicht auch laut im Bus sagen würdest", erklärt Stefan Freise. Im Juli 2010 hat er die Facebook-Seite "Keine Kinderfotos im Social Web" gegründet. "Ich bin sofort 'Agent der Kinder', wenn der Eindruck entsteht, dass Eltern ihre eigenen Interessen über die ihrer Kinder stellen", sagt Freise. Viele Erwachsene schmückten sich mit ihren Kindern und verwechselten dabei das eigene Kind mit dem persönlichen inneren Kind.

Knapp 5.000 Facebook-Nutzern "gefällt" Freises Seite.

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