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Polizei-Großaufgebot in Lauterecken Sprengstoff ist abtransportiert

Ein Sondereinsatzkommando hat mit umfangreichen Evakuierungsmaßnahmen 110 Kilo explosive Stoffe aus einem Privathaus in Lauterecken erfolgreich abtransportiert. Im SWR rechtfertigte der Chef-Entschärfer den hohen Sicherheitsaufwand.

Man habe nicht genau einschätzen können, welche Gefahr von dem Sprengstoff ausgeht, sagte der Leiter vom Entschärferdienst des Landeskriminalamts, Udo Jastrzembsky, dem SWR am Samstag. "Es handelte sich hier nicht um irgendein zugelassenes Feuerwerk, sondern es waren selbstgefertigte Materialien."

"Es gibt keine Konventionen für Privatbastler"

"Es gibt keine Konventionen für Privatbastler", gab der Chef-Entschärfer zu bedenken. Auch sei nicht klar gewesen, wie vertraut der Bastler mit chemischem Wissen war. Sogenannte "Blitz-Knall-Sätze" seien sehr energiereich und könnten leicht beim Empfang von elektrostatischer Aufladung explodieren. Testsprengungen des abtransportierten Materials hätten das belegt, die Stoffe hätten "heftig reagiert".

Das Sondereinsatzkommando hatte bis Samstagmittag die explosiven Stoffen aus dem Privathaus in Lauterecken (Kreis Kusel) erfolgreich abtransportiert. Am Freitag war bereits mehr als die Hälfte des Materials geholt worden. Spürhunde hatten das Haus nach dem Abtransport noch auf versteckte Stoffe abgesucht. Erst danach gab es die offizielle Entwarnung für die Anwohner.

Karte des zu evakuierenden Häuser

Die gelb markierten Häuser wurden vor dem Abtransport der Gefahrstoffe evakuiert.

Die etwa 85 Anwohner konnten damit wieder in ihre Häuser zurückkehren. Sie waren während der Arbeiten aufgefordert worden, ihre Häuser abzuschließen, die Rollläden herunterzulassen und Haustiere mitzunehmen. Die Betroffenen konnten sich während des Einsatzes in der Janusz-Korczak-Schule aufhalten. Die Nacht zu Samstag durften sie aber in ihren Häusern verbringen.

Pyrotechnischen Stoffe in kleinen Mengen abtransportiert

Die Feuerwerkskörper, Böller und chemischen Stoffe mussten in kleinen Mengen zu maximal fünf Kilogramm in speziellen Behältern weggebracht werden. Die Experten des Landeskriminalamtes brachten den Sprengstoff in einen Sicherheitsbunker der Bundeswehr in der Nähe von Lauterecken. Dort werden die explosiven Stoffe zwischengelagert. Wie sie dann unschädlich gemacht werden, steht noch nicht fest.

Polizeiautos in Lauterecken

Polizei und Rettungsdienste sind mit einem Großaufgebot in der Stadt.

Verdächtige in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ermittelt gegen einen 18-Jährigen aus Lauterecken und einen 24-jährigen Bekannten aus Nordrhein-Westfalen. Beide stehen im Verdacht, mit dem Material einen Anschlag in der Innenstadt von Kaiserslautern geplant zu haben. Die Beschuldigten bestreiten das. Sie waren am 29. Dezember verhaftet worden und befinden sich in Untersuchungshaft. Bei dem 24-Jährigen waren 45 Kilogramm explosives Material gefunden worden.

Nach Angaben der Ermittler handelte es sich "um teilweise unerlaubt erworbenes und teilweise selbst unerlaubt hergestelltes pyrotechnisches Material und Substanzen".

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1:59 min | Fr, 6.1.2017 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Lauterecken

Abtransport von Sprengstoff hat begonnen

In Lauterecken im Kreis Kusel läuft seit Freitagmorgen die Bergung von mehr als 100 Kilo explosiver Substanzen. Die hatte ein junger Mann in seiner Wohnung gehortet. Die Ermittler prüfen noch, ob er damit einen Anschlag verüben wollte.

Gehören Männer zur rechten Szene?

In der vergangenen Woche hatte die Polizei nach eigenen Angaben einen Hinweis bekommen, dass die Männer illegale Feuerwerkskörper und Pyrotechnik besitzen würden. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob die Männer deutscher Herkunft der rechten Szene angehören. Der 18-Jährige sagte in seiner Vernehmung, er habe das pyrotechnische Material für ein privates Silvesterfeuerwerk verwenden wollen. Beide Beschuldigte bezeichnen sich selbst als Freizeit-Pyrotechniker.

Die Kriminaldirektion Kaiserslautern richtete eine Sonderkommission ein. Die Ermittlungen würden laut Polizei mit Hochdruck geführt. Auch das Bundeskriminalamt sei mittlerweile in die Ermittlungen einbezogen.

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