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Höhenrettung in Rheinland-Pfalz Die Klettermeister vom Dienst

von Mark Kalbus

Höhenretter werden immer dann gerufen, wenn die Feuerwehr an ihre Grenzen stößt. In Rheinland-Pfalz gibt es sechs Einheiten, die über das ganze Land verteilt sind. Ihre Einsätze sind aufregend - und oft gefährlich.

Höhenretter befreit Gleitschirmflieger aus Baum

Hoch hinaus: Ein Wernersberger Höhenretter befreit einen Gleitschirmflieger aus einem Baum

3. Oktober 2015: Bei der Speziellen Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT) in Wernersberg in der Südpfalz geht ein Notruf ein. Auf dem Orensberg, einem beliebten Ausflugsziel im Pfälzerwald, ist ein Gleitschirmflieger abgestürzt. Der Freizeitsportler hängt in einer Höhe von 15 Metern fest. Für die örtliche Feuerwehr ist das zu hoch. Deshalb muss die Höhenrettung ran. Nach einer Stunde finden die Einsatzkräfte den Mann endlich. Mithilfe von Steigeisen klettert einer der Retter auf den Baum, bringt zwei Seile  an und befördert den Gleitschirmflieger und sich selbst unbeschadet zu Boden.

Einsätze wie dieser sind Alltag für die rheinland-pfälzischen Höhenretter. Die Klettermeister vom Dienst werden immer dann gerufen, wenn jemand in luftiger Höhe oder klaffender Tiefe feststeckt. Stationiert sind die SRHT-Einheiten an sechs Standorten: Boppard, Ingelheim, Kaiserslautern, Saarburg, Trier und eben Wernersberg. Die Städte hat das Land so gewählt, dass die überwiegend ehrenamtlichen Retter innerhalb kurzer Zeit jeden Ort in Rheinland-Pfalz erreichen können.

Retter begeben sich auch für Tiere in Gefahr

Höhenretter befreit Hund aus Felsspalte

Hand in Hand: Häufig arbeiten die Höhenretter mit der Feuerwehr zusammen

Bisweilen warten auf die Abseilprofis auch tierische Einsätze - so etwa im April 2015 am Ferkelstein bei Spirkelbach (Kreis Südwestpfalz). Damals war ein Hund bei einem Spaziergang abgestürzt. Das verängstigte Tier saß in acht Metern Höhe in einer Felsspalte fest. Wieder gelang es einem Wernersberger Höhenretter, das Unfallopfer aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Meistens haben die Retter es aber mit Menschen zu tun. In der Mehrzahl der Fälle werden sie alarmiert, wenn Kletterer oder Bergsteiger abstürzen. Die SRHT Ingelheim rückt nach eigenen Angaben fast ausschließlich zu Einsätzen im Morgenbachtal aus - einem populären Kraxelgebiet. Anders ihre Saarburger Kollegen: Die mussten auch schon mal einen Landwirt aus einem Getreidesilo oder einen Arbeiter aus einem Kanalschacht befreien, wie der Leiter der Einheit, Michael Weber, berichtet.

Übergewichtiger Patient abtransportiert

In Boppard wurde die Höhenrettung sogar schon mal verständigt, um einen adipösen Patienten aus dessen Wohnung zu transportieren. Ab einem Körpergewicht von 150 oder 160 Kilo werde normalerweise die Feuerwehr gerufen, sagt der SRHT-Landessprecher Jan Mallmann. Aber in diesem Fall habe man eben die Höhenretter bestellt.

Höhenretter zu werden ist nicht ohne. Schwindelfreiheit allein reicht da nicht. Neben einer Grundausbildung bei der Feuerwehr müssen Aspiranten einen 80-stündigen Grundlehrgang durchlaufen. So richtig einsatzbereit sei man aber erst mit zwei Jahren Berufserfahrung, sagt Mallmann. Das liegt auch daran, dass die SRHT-Einheiten relativ selten ausrücken. An den meisten Standorten bewegen sich die jährlichen Einsatzzahlen im einstelligen Bereich. Auch deshalb müssen sich die Höhenretter fit halten: Pro Jahr sind 72 Übungsstunden am Seil vorgeschrieben.

Die Anfänge der modernen Höhenrettung liegen in der DDR. 1982 wurde dort der Spezielle Rettungsdienst (SRD) gegründet, der Methoden der Bergrettung einsetzte. Elf Jahre später formierte sich dann die erste Höhenrettungsgruppe im wiedervereinigten Deutschland.

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