Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 13.11.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Tierschutz Haben Fische Schmerzen?

Unter Tierrechtlern gelten Angler als Tierquäler. Doch können Fische wirklich Schmerz und Leiden empfinden. Selbst Experten streiten noch darüber.

Ein Fisch hängt an einem Haken

Unter Tierrechtlern gelten viele Angler als Tierquäler. So mancher Angler hingegen versteht diesen Vorwurf nicht, weil er Fische nur als instinktgesteuerte Kaltblüter, mit winzigen Gehirnen, ohne Erinnerung, Gefühle oder Schmerzen sieht. Aber: Nicht alle Angler machen es sich so einfach. Sie versuchen denkbares Leid beim Fisch so gering wie möglich zu halten: So wird er etwa möglichst schnell betäubt und getötet, bevor man ihn vom Haken nimmt.

Kein Bewusstsein - kein Schmerz

Bedeutet das dennoch Schmerz und Leid für Fische? Nein, meinen viele Wissenschaftler. Fische seien zwar in der Lage, Reize durch Berührung oder Verletzung wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Aber um Schmerz als Leiden zu empfinden, brauche es ein Bewusstsein. "Ohne Bewusstsein gibt es keinen Schmerz", sagt Professor Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Eine wichtige Rolle spiele dabei ein Bauteil des Großhirns, der sogenannte Neokortex, so der bekannteste deutsche Wissenschaftler in Sachen Sportangelei weiter. "Bei Fischen gibt es keinen Neokortex, und deshalb gibt es einige Forschergruppen, die sagen, weil es diese Struktur nicht gibt, kann es kein Bewusstsein, und deswegen auch nicht ein Schmerzempfinden oder Leidensempfinden geben." Ein Bewusstsein hätten nur der Mensch und höher entwickelte Tiere. Neben weiteren Gründen kommen diese Forscher zu dem Ergebnis, dass Fischen "wahrscheinlich" ein Schmerzempfinden fehle.

Forscherin: Fische klüger als gedacht

Victoria Braithwaite hingegen ist sich da nicht so sicher. Die Verhaltensforscherin von der Penn State University in den USA hat Experimente zum Schmerzempfinden von Fischen durchgeführt. Dass Fische keinen Neokortex haben, bestreitet die Wissenschaftlerin natürlich nicht. Doch die Frage sei, ob sie die Hirnregion womöglich gar nicht brauchen. Sie macht die Überlegung anhand eines Beispiels deutlich: "Vögel nehmen mit den Augen Reize auf und leiten diese ins Hirn weiter. Dabei benutzen sie völlig andere Teile des Gehirns als Säugetiere. Um zu sehen, benutzen auch wir Hirnareale, die Vögel überhaupt nicht haben. Aber wir leugnen deshalb nicht, dass auch sie die Welt sehen." Mithilfe von langen Versuchsreihen haben Victoria Braithwaite und ihre Kollegen herausgefunden, dass Fische "überraschend schlau" sind und sehr schnell lernen.

Experiment legt Schmerzempfindungs-Verdacht nah

Ein Mann angelt einen Fisch

Vor zwei Jahren hat sich die Forscherin mit der Frage beschäftigt, ob Fische Schmerzen fühlen. Dafür hat sie Forellen anästhesiert und ihnen Essigsäure in den Maulbereich gespritzt. Braithwaite und ihre Kollegen beobachteten, dass die mit Essigsäure behandelten Fische nicht mehr fraßen, keinen Fluchtreflex mehr hatten, aber einen deutlich erhöhten Herzschlag. Es waren dieselben Reaktionen wie bei Säugetieren, die unter Schmerzen leiden. "Und was wir überhaupt nicht erwartet hatten: Nachdem wir den Fischen Essigsäure in den Maulbereich spritzen, fingen sie an, ihre Mäuler zu reiben. Sie jagten durchs Becken, um eine harte Oberfläche zu finden, Kieselsteine oder die Glasscheibe. Und sie rieben tatsächlich ihre Mäuler daran! Es ist noch schwer zu sagen, warum sie das taten. Doch der Verdacht liegt nahe, dass die Essigsäure unter ihrer Haut sie reizte. Es juckte und brannte vermutlich genauso wie bei uns, wenn wir uns schneiden und Säure in die Wunde kommt." Doch ob Fische ein Schmerzbewusstsein haben oder nur rein reflexartig reagieren, ist wissenschaftlich noch immer nicht belegt.

aus der Sendung vom

Do, 13.11.2014 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Mehr zum Thema im SWR:

Aktuell in Rheinland-pfalz