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Experten untersuchen Treibstoffablass in der Westpfalz Wie gefährlich ist der Kerosinregen?

Der Kerosinablass bei Kaiserslautern hat für große Verunsicherung in der Region gesorgt. Wie gefährlich die Treibstoffmengen wirklich sind, ist noch weitgehend unerforscht.

Kondensstreifen über Rheinland-Pfalz

Kondensstreifen über Rheinland-Pfalz

Fakt ist: Mineralölkohlenwasserstoffe im Flugzeugtreibstoff sind giftig für Mensch und Umwelt - in hochkonzentrierter Form. Vor dem Einatmen oder dem Aufnehmen über die Haut wird von Experten immer wieder gewarnt. Doch solche hohen Konzentrationen würden mit dem Kraftstoffschnellablass bei Weitem nicht erreicht, erklärt Alice Thiel-Sonnen aus der SWR Umweltredaktion.

Der überwiegende Anteil der Kerosintropfen verdunste auf seinem Weg zur Erde, das hat im Oktober 2016 die Bundesregierung erklärt und sich unter anderem auf eine Berechnung aus Brandenburg aus dem Jahr 2014 berufen. Nach der theoretischen Berechnung kommen 0,02 Gramm Kerosin pro Quadratmeter am Boden an. Wenn Flugzeuge im Notfall Kerosin ablassen, dann findet der Treibstoff-Verlust nicht punktuell statt, sondern über einem großflächigen Gebiet in Höhen von 1.500 bis 5.000 Metern.

Mainz hat neues Gutachten angestoßen

Der überwiegende Teil des Treibstoffes bleibe laut Studien in der Atmosphäre und werde zu Wasser und Kohlendioxid. Auch eine Untersuchung vom TÜV Rheinland kommt zu dem Ergebnis: die Kontamination des Bodens ist vernachlässigbar. Diese Studie ist allerdings von 1992.

Da die wenigen Untersuchungen zum Kerosinablass recht alt sind, hat die Umweltministerkonferenz Anfang Mai ein neues Gutachten zum Thema beschlossen. Angeregt hatte das Gutachten das Mainzer Umweltministerium. Doch es dauert noch eine Weile bis die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, der Bund will die Ergebnisse 2018 vorlegen.

Kritiker weisen darauf hin, dass durchaus feinste Kerosintröpfchen den Boden erreichen können, wenn die Flugzeuge niedriger fliegen oder es stark regnet. Auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen hatten gefordert, dass die Auswirkung solcher Kerosinablassungen mit neuen grundlegenden Messungen nochmal untersucht werden sollten.

Am Montagabend hatte ein Flugzeug insgesamt 54 Tonnen Treibstoff zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken abgelassen. Grund waren offenbar technische Probleme der Passagiermaschine.

Das sogenannte Fuel Dumping ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung ein sehr seltener Vorgang. Pro Jahr gebe es in Deutschland bei drei Millionen Flugbewegungen zwischen 20 und 30 Fälle.

Maschine fürs Landen zu schwer

Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung sagte, das Flugzeug sei in Frankfurt gestartet und auf dem Weg nach Kanada gewesen. Weil der Pilot Probleme mit der Hydraulik der Maschine gehabt habe, sei entschieden worden, dass das Flugzeug nach Frankfurt zurückkehren solle. Die Lotsen hätten den Piloten dann angewiesen, das Kerosin über dem dünn besiedelten Gebiet zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern abzulassen. Sonst sei die Maschine zum Landen zu schwer gewesen.

Die Sprecherin betonte, sie verstehe, dass sich Menschen in der Westpfalz deshalb Sorgen machten. Es sei in dem Fall aber um eine Risikoabwägung gegangen. Wenn ein Flugzeug beim Landen zu schwer sei, könne es instabil werden. Dadurch würde das Leben der Passagiere gefährdet.

Ablassen von Treibstoff ziviler Flugzeuge über Rheinland-Pfalz zwischen 2010 und 2016:

26.12.2010Pfalz50 t
27.01.2011Eifel – Siegerland – Westerwald63 t
16.04.2011Ramstein74 t
01.08.2011Dreieck Idar-Oberstein – Worms – Kaiserslautern57,6 t
04.08.2011Ramstein – Bad Dürkheim0,5 t
11.09.2011Rechteck Trier – Ludwigshafen – Karlsruhe – Saarbrücken30 t
19.09.2011Rechteck Trier – Ludwigshafen – Karlsruhe – Saarbrücken45,4 t
30.09.2011Nörvenich – Büchel50 t
09.10.2011Luxemburg – Wiesbaden30 t
24.10.2011Nähe Hahn65 t
30.11.2011Warburg – Bad Neuenahr – Nattenheimunbekannt
22.01.2012Hahn – Wiesbaden3 t
09.02.2012Spangdahlem – Frankfurt – Würzburg17 t
11.04.2012Ansbach – Mannheim – Trierunbekannt
26.03.2013Region Pfalz200 kg
14.04.2013Frankfurt/Hahn – Hoppstädten/Weiersbach – Alsheim17 t
11.05.2013nördlich Ramsteinunbekannt
15.06.2013Region Pfalz45 t
05.07.2013Region Pfalz7 t
11.07.2013Montabaur – Warburg70 t
06.11.2013Region Pfalz25 t
14.11.2013Region Pfalz80 t
07.02.2014bei Bitburg22 t
20.08.2014bei Ramstein25 t
08.04.2015Hahn – Büchel30 t
26.05.2015nördlich Ramstein53 t
14.10.2015Bereich Pfalz30 t
10.04.2016Bereich Eifel91 t

Quelle: Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit


Ablassen von Treibstoff militärischer Flugzeuge zwischen 2010 und 2016:

2010bei Ramstein6,4t
2010südöstlich Ramstein0,6t
2010ED-R201525t
2011Büchel2t
2011unbekannt2,5t
2012unbekannt2,5t
2013Region Pfalz34,5t
2014zwischen Mannheim und Saarbrücken40t
2015Rüdesheim – Geilenkirchen16t
2015östlich Ramstein0,5t


Quelle: Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

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