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30 Jahre Cattenom Erfolg und Niederlage der AKW-Gegner

Vor 30 Jahren, kurz nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl, wurde im französischen Atomkraftwerk Cattenom an der Mosel die Arbeit aufgenommen. Zehntausende Menschen im Dreiländereck protestierten gegen die Anlage - mit einer spektakulären Aktion.

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2:32 min | Mo, 24.10.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Atomkraftwerk Cattenom

Seit 30 Jahren Proteste

Es liegt nur wenige Kilometer hinter der deutsch-französischen Grenze und ist seit seiner Inbetriebnahme höchst umstritten: das Kernkraftwerk Cattenom. Heute vor 30 Jahren wurde hier die erste Kernspaltung ausgelöst und die Proteste dagegen reißen seither nicht ab.

Am 24.10.1986 wurde in Cattenom die erste Kettenreaktion, die Kernspaltung, ausgelöst. Zuvor hatten Atomkraftgegner aus Trier, dem Saarland, Luxemburg und Lothringen jahrelang gegen die französischen Atompläne protestiert. Das Kraftwerk liegt Luftlinie gerade einmal 48 Kilometer von Trier entfernt.

Die damals 22-jährige Gertrud Selzer war bei einer der spektakulärsten Aktionen der AKW-Gegner dabei. Wenige Tage vor Inbetriebnahme des Kraftwerks besetzten Kernkraftgegner einen der Kühltürme von Cattenom.

Besetzung der Kühltürme

Es war der 10. Oktober 1986. An diesem Vormittag waren die Kühltürme von Cattenom in Nebel gehüllt. Niemand auf dem Gelände ahnte, was eine kleine Gruppe von Aktivisten für diesen Tag geplant hatte. Die Besetzung der Kühltürme war wochenlang vorbereitet worden. Aktivisten aus der Region rund um Cattenom und von der Hamburger Umweltschutzorganisation "Robin Wood" hatten sich zusammengetan.

Eine Frau lehnt sich gegen einen Stein.

Gertrud Selzer

Gertrud Selzer und ihre Mitstreiter standen unter Beobachtung. Atomkraftgegner wurden in den frühen 1980er Jahren in der Bundesrepublik noch mit Argwohn betrachtet. Besonders in Erinnerung blieben ihr die Fahrten zu den Demos in Frankreich: "Da standen dann Polizisten oder Grenzbeamte mit Maschinenpistolen vor uns. Die Autos wurden gefilzt. Wir wussten nie, ob wir rüberkommen. Das war gegenüber uns Atomgegnern eine ganz normale Vorgehensweise."

Geheime Kommandosache der deutschen AKW-Gegner

Nur am Morgen des 10.10.1986 war alles anders. Von der geheimen Kommandosache der deutschen Atomkraftgegner hatten die französischen Behörden keinen Schimmer. Und so kamen die Kühlturmbesetzer bis nach Cattenom. Gertrud Selzer gehörte zu einer kleinen Gruppe, die vor dem Werkstor zur Ablenkung demonstrieren sollte. "Die Sicherheitsleute haben uns noch belächelt, als wir da standen. Als sich dann aber der Nebel lichtete und sie sahen, dass da Demonstranten auf dem Kühlturm waren, da war die gute Stimmung bei denen vorbei und wir waren froh, dass es geklappt hat."

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Widerstandsaktion vor 30 Jahren in Cattenom

"Strom ja - so nicht! Non au Nucleaire"

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10.10 1986: Bei dichtem Nebel besetzen neun "Robin Wood"-Aktivisten den Kühlturm des AKW Cattenom und hissen ein Transparent "Strom ja – so nicht! Non au Nucleaire".

10.10 1986: Bei dichtem Nebel besetzen neun "Robin Wood"-Aktivisten den Kühlturm des AKW Cattenom und hissen ein Transparent "Strom ja – so nicht! Non au Nucleaire".

Abseilen für den Atomausstieg

Die Polizei greift die Besetzer in 240 Metern Höhe mit Hubschraubern an.

Mit roten Planen schützen sich die Aktivisten vor Wind, Kälte und den Reizgasattacken der Polizei.

Neun Aktivisten schaffen es - an allen Sicherheitsschleusen vorbei - problemlos auf den 165 Meter hohen Kühlturm von Block 2.

Die Widerstandsaktion vor 30 Jahren war bis heute die spektakulärste der Atomgegner.

Vier Mal werden die Kühlturmbesetzer von Hubschraubern aus mit Reizgas attackiert.

Auch heute noch immer in der Kritik - das Atomkraftwerk Cattenom

"Ein Stich ins Herz"

Ein großer Erfolg für die AKW-Gegner. Cattenom ging trotzdem ans Netz und ist es immer noch. Für Gertrud Selzer, die heute immer noch in der Region lebt, ist es eine Niederlage. Auch wenn sie und ihre Mistreiter über die Jahre für ein neues Bewusstsein in Sachen Atomkraft gesorgt haben. Der Anblick der Kühltürme von den Höhen des Saargaus sei für sie unerträglich. "Das ist selbst jetzt nach 30 Jahren immer noch ein Stich ins Herz für mich."

Redakteur: Ludger Peters, Onlineversion: Julia Lotz

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