Bitte warten...

Einzigartiger Testlauf im Bodensee startet Eine Betonkugel als Energiespeicher

Das große Problem bei den Erneuerbaren Energien ist die Frage der Speicherung. Der Testlauf am Bodensee geht darum, ob sich überschüssiger Strom in einer Betonkugel unter Wasser speichern lässt.

Das Prinzip des Kugelspeichers ist simpel: Eine hohle Betonkugel wird unter Wasser verankert. Um Strom zu erzeugen, muss nur ein Ventil oben an der Kugel geöffnet werden. Dann strömt das Wasser über eine Turbine in die luftleere Kugel und erzeugt Strom.

Im Realbetrieb soll alles etwas größer werden

Im Bodensee wird nun getestet, ob dieses Prinzip so funktioniert wie am Computer errechnet - und zwar an einem kleinen Modell: Die Kugel ist nur drei Meter groß und wird in 100 Meter Wassertiefe getestet. Eigentlich ist das System jedoch für die Tiefsee konzipiert: Die Kugelspeicher sollen in 700 Meter Wassertiefe installiert werden. Erst durch den enormen Druck von 70 Bar strömt das Wasser mit so viel Kraft in die Kugel, dass sich die Stromerzeugung lohnt.

riesige Betonkugel

Die Betonkugel soll schwimmend nach Überlingen geschleppt werden

Dazu kommt, dass die Betonkugeln im Realbetrieb einen Durchmesser von 30 Metern haben sollen. Ein einziger dieser Kugelspeicher soll immerhin rund 20 Megawattstunden Strom erzeugen. Damit wären rund fünf Privathaushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt.

Das Ziel: Energieparks

Damit sich der ganze Aufwand rechnet, ist angedacht, 80 bis 200 Kugelspeicher als Energiepark zu installieren - in direkter Nähe zu einem Offshore-Windpark. Damit ist eine direkte Anbindung ans Stromnetz gegeben. Wenn die Windräder mehr Strom produzieren als gebraucht wird, können die vollen Kugeln mit der überschüssigen Energie leer gepumpt werden. Herrscht dagegen Flaute, produzieren die Kugelspeicher per Knopfdruck sofort Strom.

Ideale Standorte für diese Art Stromspeicher sind vor den Küsten Japans, der USA oder Spaniens. Die Nord- und Ostsee kommen nicht in Frage, weil sie zu flach sind.

Auch Kanada und Belgien tüfteln

Kanadische Forscher verfolgen ein ähnliches Konzept. Statt der Betonkugeln wollen sie jedoch riesige Unterwasserballons einsetzen, die aufgepumpt und geleert werden. Belgische Ingenieure tüfteln dagegen an einem Konzept, das im flachen Wasser funktioniert. Sie wollen vor der Küste eine große künstliche Insel mit einem großen eiförmigen Loch in der Mitte aufschütten. Die Strömung, die durch den wechselnden Wasserspiegel zustande kommt, soll dann die stromerzeugenden Turbinen antreiben.

Von Sabine Schütze, SWR-Umweltredaktion

Aktuell im SWR