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Mehr Infektionen in BW erwartet Hantavirus auf dem Vormarsch

Die Rötelmaus, die das Hantavirus überträgt, hat sich 2016 in Baden-Württemberg stark vermehrt. Experten rechnen daher mit mehr Infektionen 2017. Regional ist das Risiko unterschiedlich.

Martin Eichner vom Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie an der Uniklinik Tübingen

Martin Eichner aus Tübingen hat die Modell-Prognose errechnet

Nach einer Modellrechnung geht das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg im Jahr 2017 von 2.448 Erkrankungen durch Hantaviren aus. Im Vorjahr gab es nur 28 Fälle. Das Virus wird von Nagetieren übertragen und verursacht bei Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) eine grippeähnliche Krankheit mit Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum -versagen können folgen.

Viele Mäuse, viele Infektionen befürchtet

Den Blick in die Glaskugel ermöglicht das Modell natürlich nicht. Dessen ist sich auch das Landesgesundheitsamt bewusst, das zur Verbreitung des bisweilen tödlichen Hantavirus' ein Modell verwendet, das der mathematische Modellierer Martin Eichner aus Dußlingen (Kreis Tübingen) erstellt hat und das konkrete Krankheitsfälle voraussagt. Der Forscher prognostiziert eine hohe Zahl an Ansteckungen, weil die Bedingungen für die Verbreitung der Mäuse im vergangenen Sommer und Herbst sehr gut gewesen seien.

Ansteckung durch Vorwarnung vermeiden

Eine Rötelmaus (Clethrionomys glareolus) im Schnee

In Deutschland verbreiten vor allem Rötelmäuse die Hantaviren

"Vorhersagemodelle wie das Hantaprognose-Modell dienen hauptsächlich dazu, Zeiträume und Gebiete zu erkennen, in denen gezielte Präventionshinweise helfen können, Erkrankungen zu vermeiden", sagte eine Epidemiologin des Landesgesundheitsamts. Warne man zur falschen Zeit, werde das Risiko der Ansteckung möglicherweise unterschätzt.

Risikogebiete laut Modell

Nach dem Hantaprognose-Modell drohen 2017 in folgenden Land- und Stadtkreisen besonders viele Erkrankungen: im Ostalbkreis, Landkreis Heidenheim, Landkreis Göppingen, Zollernalbkreis, Landkreis Calw, Enzkreis und in der Stadt Pforzheim.

Hintergründe zum Hantavirus: Das Wirtstier, die Rötelmaus, scheidet Viren aus. Der Mensch infiziert sich laut RKI, wenn er Kotstaub einatmet. Wer tote Mäuse oder Mäusekot entfernen muss, soll demnach Gummihandschuhe und einen eng anliegenden Mund-Nasen-Schutz tragen. Ein Staubsauer sollte nicht zum Einsatz kommen, weil Viren damit in der Luft verteilt werden könnten. 

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