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SWR-Recherche zu Daimler-Leiharbeit Hart arbeiten, und dennoch Hartz IV

Von SWR-Reporter Hermann Abmayr

2016 war für Daimler das beste Jahr der Konzerngeschichte. Dazu beigetragen haben auch viele Leih- und Werkvertragsarbeiter. Einige von ihnen, so SWR-Recherchen, verdienen so wenig, dass sie auf Hartz-IV-Zuzahlungen angewiesen sind.

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3:01 min | Mi, 12.4.2017 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Billiglöhner bei Daimler

Viele müssen mit Hartz IV aufstocken

Obwohl die Geschäfte bei Daimler derzeit glänzend laufen, stehen dort manche im Schatten dieses Erfolges: Leiharbeiter und Beschäftigte mit Werkverträgen verdienen so wenig, dass sie "aufstocken" müssen.

Bei Daimler arbeiten Menschen, die so wenig verdienen, dass sie Hartz-IV-Zuschüsse vom Staat erhalten. Davon sind nach Recherchen des SWR Arbeiter betroffen, die bei einer Logistikfirma als Leiharbeiter beschäftigt sind. Dieses Unternehmen führt auf dem Firmengelände in Stuttgart Aufträge der Daimler AG aus.

Sparen auf Kosten der Belegschaft

Daimler ist seit vielen Jahren über einen Werkvertrag mit der Logistikfirma verbunden. Wie der SWR berichtet, arbeiten bei Daimler nach Gewerkschaftsangaben zunehmend Beschäftige von Werkvertragsunternehmen. Neben Stuttgart beispielsweise auch im Lkw-Werk in Wörth bei Karlsruhe. Und zwar meist zu Lasten der Zahl der Stammbeschäftigten und/oder der direkten Daimler-Leiharbeiter im jeweiligen Bereich.

Durch die Auslagerung von Arbeit an Werkvertragsunternehmen werde, so die Kritik aus Gewerkschaftskreisen, der gute Metall-Tarif unterlaufen. Das gleiche gelte für die speziellen Tarifverträge, die die IG Metall für Leiharbeiter abgeschlossen hat. Denn die gelten für die Werkvertragsunternehmen nicht. Die Folge ist, Leiharbeiter dieser Firmen verdienen wesentlich weniger als die, die Daimler selbst anheuert.

Ein Drittel weniger Geld

Arbeiter stehen in der Dunkelheit  mit einem Transparent gegen die Entlassung von 149 Leiharbeitern auf einer Wiese vor demLKW  Daimlerwerk Wörth

Protest bei Daimler in Wörth: Ende 2016 mussten 149 Leiharbeiter gehen

Nach den SWR-Recherchen arbeiten bei Daimler derzeit drei Klassen von Arbeitern: die Stammbeschäftigten, die direkten Leiharbeiter und die Werkvertrags-Leiharbeiter. Während die Stammbeschäftigten – inklusive aller Extras und Prämien – ein gutes Einkommen haben, bekommen die von Daimler direkt angeheuerten Leiharbeiter für die gleiche Arbeit in der Logistik bis zu einem Drittel weniger, die Beschäftigten der Subunternehmen müssen sich sogar mit bis zu zwei Drittel weniger zufriedengeben. In manchen Fällen verdienen sie so schlecht, dass nur noch der Gang zum Job-Center bleibt, um Hartz-IV-Leistungen zu beantragen.

Daimler ein Einzelfall? Die Verlagerung von Arbeiten auf Werkvertragsunternehmen gibt es nach SWR-Recherchen in vielen Automobilwerken in Deutschland. Bei Porsche hat der Betriebsrat zumindest für die Produktion in Stuttgart-Zuffenhausen durchgesetzt, dass dort keine Leiharbeiter und keine Werkvertragsarbeiter mehr arbeiten.

Der SWR traf im Rahmen der Dokumentation frustrierte Leiharbeiter und sogenannte Aufstocker. Diese haben in den Jahren 2014 bis 2017 zeitweise Geld vom jeweiligen Job-Center bezogen. Darunter sind Männer mit einem oder mehreren Kindern, aber auch ein Facharbeiter ohne Kind. In Gewerkschafts- und Betriebsratskreisen wurde bestätigt, dass derartige Fälle bekannt sind.

Kein Kommentar aus der Chefetage

Gerne hätte der SWR mit Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Personalvorstand Wilfried Porth über die Beschäftigungslage und die Zukunft der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesprochen. Ein Interview aber lehnte der Konzern trotz intensiver Bemühungen ab. Auch die Zahl der aktuell Betroffenen war nicht zu ermitteln. Der Betriebsrat allerdings spricht davon, dass die Zahl der Auslagerungen sogar noch zunehmen soll.

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