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Hohenheimer Finanzexperte zu Marktmanipulation "Wann immer es um Geld geht ..."

Hinter dem BVB-Attentat stand offenbar der Plan, den Kurs der Vereins-Aktie zu manipulieren. Hans-Peter Burghof, Finanzexperte der Universität Hohenheim, erklärt, wie solche Spekulationen funktionieren.

BVB Logo mit einer nach absteigenden Kurve

Mit dem sinkenden Kurs der BVB-Aktie wollte ein Mann aus Tübingen wohl Gewinn machen

Die Bombenattacke auf den Team-Bus des BVB ist offenbar aufgeklärt: In einer großangelegten Fahndungsaktion des Spezialeinsatzkommandos GSG 9 ist am Freitagmorgen im Raum Tübingen ein Mann festgenommen worden. Kein islamistischer Terrorist, sondern ein 28-Jähriger, der offenbar aus Geldgier gehandelt hat. Er wollte nach Erkenntnissen der Ermittler auf diese Weise einen Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen und so ein Millionenvermögen verdienen.

SWR: Herr Professor Burghof, wie funktioniert sowas? Wie kann man mit einer solchen Aktion und Aktien Geld machen?

Hans-Peter Burghof: So, wie der Täter es gemacht hat, kann er jetzt kein Geld machen - aber im Prinzip funktioniert das. Er hat sogenannte Put-Optionen gekauft. So eine Option gibt dir das Recht, eine Aktie zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen - zu einem vorher fixierten Preis! Man kann also, wenn der Kurs gefallen ist, die Aktie ganz billig kaufen und dann zu dem vorher fixierten Preis wieder verkaufen. Das ist der Gewinn, den man daraus macht. Insofern ist das eine Möglichkeit, auf fallende Kurse zu setzen und damit zu spekulieren. Das ist absolut legitim und richtig, dass man das kann, aber man darf halt das Negativ-Ereignis, das die Kurse fallen lässt, nicht selbst erzeugen - und das hat dieser Mensch offenbar versucht.

Der BWL-Professor Hans-Peter Burghof aufgenommen am 07.04.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf der Messe Invest.

Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim

Die Rede ist von 3,9 Millionen Euro Gewinn bei einem doch relativ geringen Einsatz von 70.000 Euro - kann man mit solchen Geschäften tatsächlich so schnell so reich werden?

Dieser Zuwachs kann so groß sein, natürlich. Das ist das Schöne an einer Put-Option. Da kann man relativ wenig Kapital einsetzen und relativ hohen Gewinn machen - und damit seine negative Meinung sehr wirksam zum Ausdruck bringen. Ich glaube, in dem Fall ist mit dem Kurs aber gar nicht so schrecklich viel passiert, ich glaube nicht, dass er da wirklich so reich geworden ist.

Ein Bombenattentat um einen Aktienkurs zu manipulieren - so etwas hat es noch nie gegeben, sagt die Polizei. Sie selbst waren ja auch recht überrascht. Das ist doch aber brandgefährlich - können sich Firmen oder eben auch ein Fußballklub nicht vor so einer Manipulation schützen?

Das ist schwierig. Wann immer es um Geld geht, werden die Menschen solche Manipulationen versuchen. Das ist ja eine Form von Markt-Manipulation - die gibt es nachweislich immer wieder. Meistens liefen die anders und gingen oft vom Unternehmen selber aus, das dann eher zu positive Nachrichten erzeugt hat. Auch das ist nicht in Ordnung. Mit negativen Nachrichten ist das schwerer zu beweisen, weil die nicht vom Unternehmen, sondern jemand anderem ausgehen. Aber selbstverständlich kommt das vor, deswegen gibt es auch ein Gesetz dagegen und man kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden, wenn man das macht. In diesem Fall vermute ich aber mal, dass der versuchte Mord noch sehr viel schwerer wirkt.

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