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Bundeswehr sucht Nachfolger für G36 Kommt Heckler & Koch wieder zum Zug?

Die Bundeswehr wird bald ihre G36-Gewehre ausmustern. Trotz jahrelangem Streit mit dem Ministerium will Heckler & Koch den Auftrag für das Nachfolgegewehr gewinnen - für die Oberndorfer hängt viel davon ab.

Montage von H&K-Logo, Bundeswehr und einem G36-Gewehr.

Das G36-Unternehmen Heckler & Koch macht sich Hoffnungen auf einen neuen Großauftrag

Die Ausschreibung für das neue Gewehr erfolge voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017, teilte das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mit. Eigentlich war ein Start Ende 2016 angepeilt worden. Wegen sorgfältiger Vorbereitung auf das Vergabeverfahren sei eine "Anpassung der internen Zeitlinie" notwendig gewesen. Die Auslieferung von neuen Gewehren soll 2020 beginnen und 2026 enden, ursprünglich war 2019 als mögliches Startjahr genannt worden.

Heckler & Koch (H&K) will bei der Ausschreibung für das Nachfolgemodell des Gewehrs G36 mitmachen. Auch die Wettbewerber Sig Sauer sowie Rheinmetall zusammen mit Steyr Mannlicher bewerben sich um den Auftrag. Mit einer Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, wird frühestens 2018 gerechnet.

Ausmusterung der G36-Gewehre bereits 2015 entschieden

Das Ministerium hatte 2015 entschieden, insgesamt 167.000 Gewehre vom Typ G36 auszumustern. Wie viele neue Gewehre gekauft werden sollen, wollte die Behörde nicht beantworten. Das G36 ist seit langem Standardwaffe der Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium unter Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) war aber unzufrieden mit dem Gewehr und beanstandete Präzisionsmängel bei Dauerfeuer und Hitze. Eine Klage gegen den Hersteller H&K, endete mit einer Gerichtsniederlage für das Ministerium - laut Urteil hatte die Firma das geliefert, was bestellt worden war.

Trotz dieser juristischen Auseinandersetzungen will H&K weiter Waffen an die Bundeswehr liefern. "Natürlich werden wir uns an der Ausschreibung beteiligen - Sturmgewehre sind unser Kerngeschäft", sagte Firmenchef Norbert Scheuch in Oberndorf (Kreis Rottweil).

H&K hat schon potentiellen G36-Nachfolger

Auf der Waffenschau in Las Vegas hatte die Firma bereits ein Modell, das das G36 beerben könnte, präsentiert. Das HK433 soll Firmenangaben zufolge deutlich robuster sein - auch bei Hitze - als das G36. "Wir wollen den Auftrag unbedingt, für uns ist das auch strategisch wichtig", so Scheuch. Für die Oberndorfer Waffenschmiede hängt viel von dem Auftrag ab, denn die Firma ist hoch verschuldet, schrieb zuletzt aber bessere Zahlen.

Nachteile bei der Ausschreibung wegen den Auseinandersetzungen mit dem Verteidigungsministerium fürchtet H&K nicht. "Das wird ein objektives Vergabeverfahren sein", sagte Scheuch. "Das Beschaffungswesen der Bundeswehr ist groß, vielfältig und professionell organisiert - Nachteile durch persönliche Meinungen Einzelner, die involviert sind, drohen da nicht."

Keine Benachteiligung für H&K durch Bundeswehr?

"Das ist kein Zweckoptimismus von Heckler & Koch", sagte der Vergaberechtler Jan Byok von der Kanzlei Bird & Bird. Es werde "nicht den Hauch einer Benachteiligung" geben. Wäre dies doch der Fall, wäre die Vergabe juristisch anfechtbar - das wolle die Regierung vermeiden. Bei einer europaweiten Ausschreibung hätten alle Teilnehmer gleiche Chancen, so Byok.

Waffenexperte Wolf-Christian Paes vom Internationales Konversionszentrum Bonn sieht auch durchaus Chancen für H&K. Er habe gehört, dass man durchaus Verständnis für die Oberndorfer gehabt habe - die Firma habe geliefert, was bestellt worden sei. Hätte man Gewehre haben wollen, die auch bei Dauerfeuer hoch präzise sind, hätte man mehr zahlen müssen - das sei aber nicht geschehen, so Paes.

H&K hätte möglicherweise Standortvorteil

Gegenüber ausländischen Bewerbern hätte H&K sogar Vorteile. "Es ist erklärtes industriepolitisches Ziel der Bundesregierung, Fertigungskompetenz im Land zu halten." Allerdings bewirbt sich mit Sig Sauer auch eine schleswig-holsteinische Tochterfirma eines US-Konzerns sowie das Düsseldorfer Unternehmen Rheinmetall zusammen mit Steyr Mannlicher aus Österreich. Anwalt Byok rechnet damit, dass sich neben deutschen Herstellern auch noch andere Hersteller der Kleinwaffenbranche für den Bundeswehrauftrag bewerben werden. Darunter könnten zum Beispiel der US-Hersteller Colt, die italienische Waffenschmiede Beretta oder die tschechische Firma CSA sein.

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