Menschen mit Mut zum Engagement
aus Frohes Wochenende vom Samstag, 3.12.2011 | 16.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz
Wissen Sie, wie viele Mediziner jährlich an der Universität Mainz ausgebildet werden? 3.500. Eine davon heißt Hanna Monien, ist frisch gebackene Zahnärztin und unser "Mensch mit Mut". Die 26Jährige hat ihr anspruchsvolles Studium als Privileg empfunden und wollte etwas davon zurückgeben - und ging für sechs Wochen nach Nepal.

In sechs Wochen 1.650 Zahnbürsten an Kinder verteilen, die noch nie in ihrem Leben eine gesehen haben - ein großes Vorhaben! Die frisch gebackene Zahnärztin wollte Gutes tun und hat sich dafür eins der ärmsten Länder der Welt ausgesucht: Nepal im Himalaya. Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation, einheimischen Helfern und ihrer Kollegin Anne Schnell war sie in dem Hochgebirgsland unterwegs, um Kindern und Erwachsenen moderne Zahnmedizin nahe zu bringen. Ohne Strom, ohne Nepalesisch - aber immer in direktem Kontakt zu den Menschen.
Hanna Monien kommt zu Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Weißen gesehen haben. Sie lebt in nepalesischen Familien. Die Behausungen haben keine Möbel, aber eine offene Feuerstelle ohne Abzug, der Ruß verpestet die Luft. Alle schlafen in einem Raum, ernähren sich von Landwirtschaft. "Da wird mal hier was auf dem Feld gemacht, dann wird sich wieder mit dem Nachbarn unterhalten, dann wird ein Tee gekocht", wundert sich die Deutsche über den für sie völlig neuen Tagesablauf. "Das ist eben nicht so eingeteilt wie bei uns, der Alltag läuft anders ab. Und die Kinder müssen sehr viel mithelfen - z.B. auf dem Feld arbeiten oder aufs Vieh aufpassen."
Das Hauptinteresse der Zahnärztin gilt den Kindern. Deren Zahnzustand ist schlecht, sie sind noch nie in ihrem Leben beim Zahnarzt gewesen: "Wir haben 1.650 Zahnbürsten und Zahnpasten verteilt", erzählt die 26jährige. "Einige Kinder haben sich wirklich darüber gefreut - und ein Junge hat sogar geweint. Hier in Deutschland würde sich doch ein Kind nie freuen, wenn man ihm eine Zahnbürste gibt!" Die junge Medizinerin erklärt Putztechniken, Zahnpflege, Mundhygiene - für 3.000 Kinder.
Die einheimischen Helfer übersetzen vom Englischen ins Nepalesische und werden dabei mit geschult. Hanna restauriert Gebisse, entfernt 500 schmerzende Zähne. Oft ohne Strom - nach langen, gefährlichen Reisen über Land. Sie arbeitet zwölf Stunden am Stück. "Die Patienten kommen von weit her. Teilweise laufen sie drei Stunden, um von uns behandelt zu werden", staunt Hanna, "und im Schatten eines Baumes warten sie dann vielleicht noch mal zwei Stunden. Da wollten wir auch keinen Patienten nach Hause schicken und haben das Letzte gegeben."


Die Dankbarkeit der Nepalesen ist riesig, die Kunde von den schmerzbefreienden Deutschen verbreitet sich wie ein Lauffeuer: "Ein Helfer hat uns von einem Bekannten erzählt, der auf der Straße entlanglief, jammerte und sich vor Schmerzen die Wange hielt. Dann war er bei uns, hat sich den quälenden Zahn entfernen lassen - und ist am nächsten Tag singend und tanzend durch die Straßen gelaufen."
Hanna Monien und Anne Schnell wollen bald wieder nach Nepal. Der Aufenthalt in diesem armen Land hat ihren Blick für das Wesentliche im Leben geschärft: "Das hat mir gezeigt, dass der Reichtum, in dem wir hier in Deutschland leben, nicht gleichzusetzen ist mit Glück!"
Letzte Änderung am: 29.11.2011, 14.13 Uhr