aus Radioladen vom Dienstag, 24.8.2010 | 9.00 Uhr | SWR4 Rheinland-Pfalz
Heizdecken, Töpfe oder Waschmittel: Auf sogenannten Kaffeefahrten wird alles verkauft. Es geht nicht um Kaffee trinken, sondern ums Verkaufen - auch wenn die Teilnehmer gar nichts wollen. Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale in Mainz kennt die Tricks der Veranstalter.
Mit reißerischen Gewinnmitteilungen, fantasievollen Versprechungen locken die Anbieter von Kaffeefahrten. Sie werben damit, was für tolle Wirkungen die vermeintlichen Medikamente, Decken oder Töpfe haben, die sie verkaufen wollen. Für die Teilnehmer von Kaffeefahrten ist es vor Ort gar nicht nachvollziehbar, ob die Produkte zum Beispiel tatsächlich für einen Sonderpreis angeboten werden oder nicht. Man hat keine Vergleichsmöglichkeit. Außerdem wird psychologisch Druck ausgeübt, massiv auf die Menschen eingewirkt - nach dem Motto "Sie haben heute einen schönen Tag mit uns, wir fahren Sie kostenlos durch die Gegend, Sie haben ein Frühstück bekommen auf unsere Kosten und jetzt wollen Sie nichts kaufen?".
Generell sollte man einfach nicht an Kaffeefahrten mit Gewinnversprechen teilnehmen. Wenn man es doch getan hat: Bleiben Sie am Besten hart, kaufen Sie nichts vor Ort und lassen Sie sich auch nicht überreden. Das Wollwaschmittel für zwanzig Euro bekommen Sie beispielsweise in jedem Drogeriemarkt für knapp zwei Euro.
Wenn man allerdings in einem schwachen Moment doch etwas unterschrieben hat, gibt es immer noch ein Widerrufsrecht. Das heißt, innerhalb einer Frist von 14 Tagen darf jeder von dem Vertrag zurücktreten. Problematisch ist allerdings, dass die Firmen oft nur eine Postfachadressen angeben. Dadurch ist es oft sehr schwierig, Kontakt aufzunehmen und zu verhindern, dass Waren direkt zugestellt werden. Dann wird meist gleich abkassiert, sodass man das Geld wieder zurück verlangen muss. Deswegen sollte man vor Ort lieber stark bleiben und sagen: "Ich brauche das nicht!"
Kaffeefahrten ohne Hintergedanken sind der Verbraucherzentrale nicht bekannt. Der Klassiker ist eine Kaffeefahrt mit einem Gewinnversprechen, mit dem die Menschen auf eine Veranstaltung gelockt werden. Die Veranstalter versprechen, dass man noch ein Ausflugsziel aufsuchen wird. Aber in der meistens wird man in Gasthöfen abseits jeder Zivilisation festgehalten, wo man nicht einfach weggehen kann. Wer einen schönen Tagesausflug machen möchte, sollte lieber mit einem seriösen Busunternehmen fahren. Das kostet zwar Geld, so um die 30 bis 50 Euro, aber dann sehe ich auch die Sehenswürdigkeiten, die mir versprochen wurden, erklärt Carmen Gahmig. Außerdem muss man nichts kaufen.
Letzte Änderung am: 24.08.2010, 13.18 Uhr